Jahresrückblick: Traumhafte Reisen und eine Letzte

Wunderschön und schmerzerfüllt

Eigentlich bin ich kein Fan von Jahresrückblicken, zumindest nicht wenn es um meinen eignen Jahresrückblick geht. Ich schaue lieber nach vorne. Auch in diesem Jahr ist das so: in die Zukunft schauen, nicht Altem nachtrauern. Doch nachdem ich den Blogparaden-Aufruf von reisewut gesehen habe, habe ich es mir ausnahmsweise anders überlegt. Denn dieses Jahr war in vielerlei Hinsicht ein krasses Jahr. Ein Jahr voller Erlebnisse. Ein Jahr voll Freude und Trauer.

 

Januar bis MärZ: Bett statt Reisen

Das Jahr begann überhaupt nicht gut. Dem Jahreswechseln fieberte ich mit fast 41 Grad entgegen. Nein, nicht Außentemperatur, sondern Körperwärme. Ich hütete letztendlich das Bett. Nicht nur Wochen, sondern Monate lang. Denn Mitte Januar kam die Diagnose: Lungenentzündung. Zwei Mal stand ich kurz vor der Krankenhauseinweisung. Ich durfte, außer um auf die Toilette zu gehen, nicht mehr aufstehen. Das zog sich bis in den März hinein und unsere Einladung zur Winter-Reise mussten wir somit absagen. Das fiel mir sehr schwer, und es blieb nicht die einzige Absage in diesem Jahr...

 

April und Mai: Die letzte Reise...

Im April dann die sollte es endlich losgehen. Papa Rolf begann sein Sabbatical für dieses Jahr. Es stand allerdings von Anfang an nicht gerade unter einem guten Stern. Sein Vater war vor einigen Wochen zum totalen Pflegefall geworden. Rolf spielte nun vorübergehend den Pfleger. Aus der geplanten Zeit zu Dritt wurde erst einmal nichts. Im Gegenteil, wir sahen uns weniger als während der Arbeitszeit. Lediglich während unseres 12-tägigen England-Trips hatten wir endlich mal Zeit für uns. Doch im Hinterkopf war immer dieses ungute Gefühl.

Danach ging es für Papa weiter wie zuvor. Pflege, pflegen, pflegen. Und dann kam es noch viel schlimmer. Mein Vater sollte am Herzen operiert werden. Erst wurde die OP aufgrund schlechter Nierenwerte verschoben, dann abgesagt. Sein Zustand verschlechterte sich unerwarteter Weise und ganz plötzlich nahezu täglich. Ging es an einen Tag eine Stufe bergauf, ging es am nächsten wieder zwei Stufen bergab. Mehrmals kam er auf die Beobachtungs-Station, dann wieder auf die normale. Nach zwei Wochen war dann klar wohin diese Reise ihn führen würde.

Tag und Nacht wachte ich mit meiner Mutter, anfangs noch abwechselnd, am Bett. Schlaf gab es nur wenn nötig und meinen Mann traf ich nur nachts in der Küche. Er kam vom Pflegen, ich vom Bett des sterbenden Vaters. Beide nur noch fähig einen Drink zu nehmen. Die Tage zogen sich dahin und das Krankenhaus war mein Hotel. Der Kaffeautomat mein Freund - auch wenn er ständig repariert werden musste. Eine weitere quälende Woche sollte diese Reise für uns alle dauern. Bis sie ein endgültiges, wenn auch erlösendes, trauriges Ende nahm.

Juni und Juli: Ein Reise-Highlight jagt das Nächste...

Gleich drei Termine mussten wir aufgrund der sich überschlagenden Ereignisse im Mai verschieben bzw. absagen (Städtetrip nach Warschau). So bot sich uns im Sommer ein voller Kalender. Gleich zwei Mal ging es an den Bodensee, erst zum Hotel-Test, dann zur Radreise um den See. Wir beide hatten schon lange von der Radreise um den Bodensee geträumt und uns sehr auf dieses Erlebnis gefreut. Auch wenn es jetzt nicht unter dem besten Stern stand, letztendlich war die Rundreise um den Bodensee noch um einiges besser als erwartet!

 

Ebenfalls zum absolut gelebten Traum wurde unsere Reise nach Lauterbrunnen in der Schweiz. Die Kulisse und das Panorama hauten uns um. Beeindruckender ging es kaum. Jeden Tag eine neue Entdeckung und in seltenen Momenten etwas Zeit für mich an meinen Vater zu denken. Hier hätte es ihm auch gefallen. Aber lassen wir doch einfach die atemberaubenden Bilder sprechen.


...bis zum bitteren Sturz:

Und dann gleich der nächste Rückschlag. In einem kurzen unbeobachteten Moment war unser blinder 18-jährige Kater auf den Balkon gelangt und durch die Gitterstäbe spaziert. Fast neun Meter stürzte er in die Tiefe. Der Anblick: mehr als erschreckend. Ich rechnete mit dem Schlimmsten als ich ihn bluverschmiert und mit ausgeschlagenen Zähnen auf der Straße aufhob. Aber er lebte und wir rasten in die Tierklinik. 

Am nächsten Tag erstmals eine kleine Entwarnung. Er hat keine schlimmeren Verletzungen davon getragen, allerdings machten es seine Werte (schlechte Nierenwerte, Bauchspeichelprobleme, Luft in der Lunge, Bluthochdruck und noch so einiges) erst einmal unmöglich ihn am Hinterbein zu operieren. Nach zwei Tagen wagten die Ärzte es. Er überstand die OP gut und kam einen Tag später nach Hause. Laufen lernen musste er allerdings neu. Da sein rechtes Hinterbein nun nur noch durch Muskeln gehoben wird.

 


August und September: Es kehrt etwas Ruhe ein.

Nach all den aufregenden und traurigen Erlebnissen standen zwar noch zwei Kurztrips - an den Boden- und Gardasee - auf dem Plan, doch sonst sollte es etwas ruhiger werden. Zeit zum Durchatmen. Die hatte es in den vergangenen Monaten nämlich kaum gegeben. Nahtlos hatten sich die (schlimmen) Ereignisse aneinander gereiht. Der schwere Sturz unseres Katers machte es uns jedoch nicht leicht. Immer wieder hatte er mit den Folgen des Sturzes zu kämpfen. Ein komplettes Durchatmen gab es einfach nicht. 

 

Oktober und November: USA-Roadtrip at it´s best

Der lang ersehnte Roadtrip. Selten war eine Reise so von negativen Ereignissen überschattet und selten haben wir uns dennoch so gefreut. Direkt mit unserem Abflug schalteten wir von allen bisherigen lasten ab. Und nach unserem fünftägigen Housesit bei Austin fühlten wir uns so richtig frei. Die Tage im Big Bend, nur im Zelt und unter einmaligem, unglaublichen Sternenhimmel, waren sagenhaft. Natur pur! Eigentlich hätten wir auch nach einer Woche noch bleiben können, doch der Entdecker-Drang führte uns nach El Paso. Fasziniert von dieser Grenzstadt fiel uns der Abschied auch hier schwer. Über die weißen Gipssand-Dünen von White Sands, nach Albuquerque, weiter in die surreale Glitzer-Stadt Las Vegas, führte uns unser Trip bis nach Tucson. Die bis zu 20 Meter hohen Kakteen begeisterten auch unseren Zwerg.

Über El Paso ging es dann wieder zurück nach Austin, wo unser Trip auf einer riesigen Ranch mit Straußen ein Ende nahm.

Dezember - Fazit:

Der Monat ist noch nicht ganz rum. Wer weiß, was noch kommt!

Vorweg: Rolfs Vater hat eine Pflegekraft bekommen und der Kater ist gut genesen. Zwar hat er seine üblichen Problemchen, bereitet uns immer wieder Sorgen, doch vom Sturz ist er kuriert.

 

Dieses Jahr hat uns reifer gemacht. Es hat uns noch weiter die Augen geöffnet was wichtig ist und vor allem was für UNS wichtig ist!

Und eines können wir auch jetzt schon mit Sicherheit sagen: wir vermissen die wahnsinnig tolle Zeit, welche wir in diesem Sabbatical so intensiv zu Dritt erleben konnten. "Tolle Zeit?" - fragt Ihr Euch jetzt vielleicht und denkt an meinen verstorbenen Vater und all die anderen Ereignisse. Ja, mein Vater hatte ein erfülltes, langes Leben und ich bin mir sicher er hat es genossen. Das möchte ich auch tun.

 

Und genau so haben wir trotz aller Rückschläge in diesem Jahr, auch die schönen Momente genossen. Es war wirklich kurios, schrecklich, genial... eben einmalig und glaubt uns, wir werden das irgendwie/irgendwann wiederholen (hoffentlich ohne weitere schreckliche Ereignisse). Denn solche Momente, egal ob traurig oder wunderschön schweißen zusammen. So bleibt auch ein positiver Rückblick auf das chaotische 2019 hängen. Dank dieser Momente als Familie!

  • Papa, du bist und wirst auf allen Reisen immer bei uns dabei sein. Ich hatte einen tollen Papa.
  • Mama - wir schaffen das jetzt auch weiter!
  • Mein lieber Schatz, danke, dass Du immer für mich da bist.

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Kommentare: 1
  • #1

    Birgitta Kuhn (Dienstag, 24 Dezember 2019 07:27)

    Vielen Dank für diesen Rück-und Einblick in euer Reisejahr 2019. Da habt ihr ja eine ganze Menge hinter euch gebracht und erlebt. Ich wünsche euch, dass das kommende Jahr ruhiger wird, zumindest was die nicht so schönen Erlebnisse angeht. Von Reisen kann man ja nie genug kriegen...

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