Lions Head mit Baby

Mit Baby die Steilwand hinauf

 

Lion´s Head - der Löwenkopf

Der Lion´s Head ist für Kapstadt-Fremde kein Begriff. Den Tafelberg kennt man als Tourist, aber den "Löwenkopf-Berg", den Lion´s Head? Nie gehört! Dabei gehört der Lion´s Head ebenso wie der Tafelberg zum prägnanten Stadtbild Kapstadts dazu. "Löwenkopf" heißt er, weil der markante 669 Meter hohe Felsen eben wie ein Löwenkopf an den Bergrücken des wiederum bekannteren - und zu Sonnenuntergängen äußerst beliebten - Signal Hill anschließt und emporragt. Aus der Ferne betrachtet sieht diese Berg-Formation, welche zum Tafelberg-Massiv dazugehört, eben wie ein liegender Löwe aus.

Zugegeben: auch wir kannten den Lions Head bei unserer ersten Reise nach Kapstadt nicht. Vielleicht liegt die Unbekanntheit mit daran, dass auf den Lion´s Head keine Seilbahn hinaufführt. Man muss tatsächlich hinaufwandern. Für viele Touristen sicherlich auch ein abschreckender Grund. Die Parkmöglichkeiten am Anstieg des Berges sind zudem sehr gering und zugegeben, außer einem kleinen Schild weist auch nicht viel auf die Attraktion Lion´s Head hin. Die meisten Touristen brausen wohl deshalb einfach daran vorbei auf die Erhöhung des Signal Hill. Dabei ist nicht nur die Aussicht von oben traumhaft und wohl die coolste in Cape Town. Schon die Wanderung auf den Lion´s Head ist ein wahres Erlebnis. Eines sollte man dabei aber definitiv sein: schwindelfrei!

Blick auf den Lion´s Head und den Signal Hill vom Tafelberg aus.
Blick auf den Lion´s Head und den Signal Hill vom Tafelberg aus.

Der steile Aufstieg

 

Nachdem wir am Tag zuvor über den Tafelberg zu dessen höchsten Punkt, dem Maclear´s Bacon gewandert waren, wagten wir uns an Vatertag an den Lion´s Head heran. Der Anfang sei ein ziemlich steiler Weg, welcher zu einem recht entspannten Trampelpfad überginge, dann würden noch zwei Leitern folgen und dann sei man bald oben, hatte mir ein Freund zuvor erklärt. Er war schon mehrfach auf den Lion´s Head gewandert. Soweit so gut. Wir machten uns, um nicht in die Mitagshitze zu kommen, also um kurz vor 10 Uhr auf den Weg. Ich mit Samu auf dem Rücken. Der besagte steile Weg gleich zu Beginn, stellte sich als äußerst schweißtreibend heraus - vor allem wegen der knapp 10 Kilogramm Kleinkind-Gepäck auf dem Rücken. Gefühlt war ich deshalb schon am Gipfel als wir noch nicht einmal die Hälfte des Weges hinter uns hatten. Doch dann nahm der steile Weg endlich ein Ende und wurde - wie versprochen - entspannter. Zunächst als Trampelpfad, dann galt es immer wieder über ein paar Felsstücke hinaufzusteigen. Das machte richtig viel Spaß. Und dann waren wir am ersten Aufstieg: eine etwa drei Meter hohe Leiter. Für alle mit Kletterangst: alleine der Aufstieg bis hierher lohnt sich schon.

Nach der Leiter wurde der Weg zunehmend schmaler und definitiv spektakulärer. Immer wieder musste man sich an den Steinbrocken ein Stück hinaufziehen und es galt größere Höhenunterschiede durch Kraxeln zu bezwingen. Da wir das richtige Schuhwerk hatten und auch wandererfahren sind, war es kein großes Problem für uns. Von entgegenkommenden Wanderern und uns überholenden Touristen erhielt ich immer wieder großes Lob: "Wow, you do that with a Baby - respect!" Mit Baby auf dem Rücken, das hatte da wohl noch keiner gesehen. Und was machte der Kleine eigentlich? Der hatte zunächst seinen komfortablen Ausblick hinten auf meinem Rücken genossen und war mittlerweile eingeschlafen.

 

Nachdem wir dann den Berg auf dem Weg nach oben einmal umrundet hatten ging es weiter steil und schweißtreibend nach oben. Auf dem letzten Stück sollte man definitiv schwindelfrei sein. Da die Sonne zunehmend auf uns herunterbrannte und wir bereits knapp 1,5 Stunden unterwegs waren suchten wir uns ein winziges Schattenplätzchen für ein Pause. Da beschlossen wir dann, so kurz vor dem Ziel, abzubrechen. Es war bereits sehr warm geworden und die letzten Meter lagen, wie eigentlich der gesamte Weg in der prallen Sonne. Außerdem war uns die letzte sehr steile Kletterei mit Kleinkind auf dem Rücken etwas zu riskant. Ohne Baby, keine Frage, wären weiter. Doch die letzten Höhenmeter bedeuten immerhin schon ein hochalpines Klettererlebnis.

Der schnelle Abstieg

 

Wir machten uns also auf den Rückweg. Papa nahm nun den kleinen Mann auf den Rücken. Wir kamen schneller voran als gedacht. Was ganz gut war. Wir hatten dem Kleinen zwar auch eine kurze Pause gegönnt, ihn abgesetzt aber dabei jedoch nicht aus der Trage genommen, da uns dies zu gewagt war. Erstens gab es zwischen den Felsbrocken keine sichere Möglichkeit ihn hinzusetzen und zweitens hätten wir ein großes Problem gehabt, wenn wir ihn nicht mehr in die Trage bekommen hätten oder nur unter großem Gebrüll.

 

So hatten wir den spektakulären Abschnitt der Lion´s Head-Wanderung also echt schnell wieder hinter uns gelassen. Der Rest war dann ein Kinderspiel. Es wurde allerdings immer wärmer. Glücklicherweise lagen die letzten Meter aufgrund des Sonnenstandes wieder im Schatten. Trotzdem wurde es da dann auch Samu zu viel. Er strampelte und wollte aus seiner Trage heraus. Immerhin waren wir nach exakt 2 Stunden wieder am Auto und Samu überglücklich aus der Trage zu kommen. Perfektes Timing kann man da nur sagen, denn er wäre keine Minute länger ohne Gebrüll in der Trage geblieben. 

 

Fazit:

 

Auch wenn wir immer wieder mit uns haderten, die wenigen letzten Meter zum Gipfel nicht gemacht zu haben, sind wir uns einig, dass es definitiv die richtige Entscheidung war. Erstens sind wir mit Baby auf dem Rücken einfach nicht Hochalpin-erfahren  genug und zweitens hätte Samu in der prallen Sonne keinen Spaß mehr gehabt. Wahrscheinlich hätten wir dann auf dem Rückweg ein ziemliches Theater mit ihm bekommen. Denn auch auf dem Gipfel des Lion´s Heads hätten wir ihn definitiv nicht frei krabbeln lassen können. So haben wir beschlossen einfach noch einmal zu kommen und dann ganz nach oben zu wandern. 

Tipps für die Lion´s Head Besteigung mit Baby/Kleinkind:

 

Zunächst einmal sei gesagt, dass der Lion´s Head zwar keine Klettererfahrung voraussetzt, aber so ganz Bergunerfahren sollte man definitiv nicht sein. Zudem ist eine gute Kondition sicherlich von Vorteil. Leider sieht man aber auch hier immer wieder Touristen mit Sandalen herumklettern oder die Wanderung nur mit einer kleinen Flasche Wasser in der Hand antreten. Für uns völlig unverständlich. Auch wenn die Wanderung eigentlich ein Muss ist, es sollte nichts verzwungen werden nur weil es "in" ist. Es gibt auch am Lion´s Head leider zahlreiche Todesfälle. Die meisten wohl aus Unachtsamkeit oder purer Überschätzung des eigenen Könnens. 

 

Wer die Wanderung mit Baby/Kleinkind wagt, der sollte doppelt sicher sein, schließlich gefährdet man dann nicht nur sich selbst, sondern auch den Nachwuchs. Eltern die sonst nie wandern ,würden wir diesen Trip nicht raten. Die Besteigung ist nur empfehlenswert für Eltern mit Erfahrung. Denn es gilt zu beachten, dass jede Bewegung des Kleinen auf dem Rücken einen schnell aus dem Gleichgewicht bringen kann. Wer darauf nicht gefasst oder dies nicht gewohnt ist, kann an den steilen Aufstiegen schnell in Schwierigkeiten kommen. Tut also Euch und Eurem Baby/Kleinkind den Gefallen hier keine Kletterversuche zu starten!

Ähnlicher Blogpost: Auf dem Tafelberg mit Baby

Weitere Wanderungen in Südafrika:


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Kommentare: 2
  • #1

    lydiaswelt lydia.zoubek@GMX.de (Donnerstag, 22 Dezember 2016 07:49)

    Sehr anschaulich geschrieben. Vielen Dank dafür.

  • #2

    Kind im Gepäck (Donnerstag, 22 Dezember 2016 10:56)

    Vielen herzlichen Dank für dein Feedback Lydia!

    Schöne Grüße :-)

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