Tiere im Zoo oder der freien Wildbahn mit Kindern beobachten

Warum müssen wir alles anfassen?

Ich schreibe diesen Beitrag unter Tränen. Ich bin wütend und angefressen. Ich bin traurig. Ich bin enttäuscht. Enttäuscht von vielen vielen Menschen. Warum sind wir Menschen nur so gierig? Gierig alles immer von ganz nah zu sehen. Alles bestenfalls immer anzufassen, alles als unser eigenes zu vereinnahmen. Alles müssen wir an uns reisen. Vor allem die Macht über alles...

 

Der tote Eisbär...

Ein Eisbär ist tot. Ein vom Aussterben bedrohtes Tier musste sein Leben für eine Rasse lassen, welche sich auf diesem Planeten immer mehr herausnimmt und ihn nahezu komplett vereinnahmt. Ja, wir sind eben die Intelligentesten auf der Erde - angeblich. Doch leider wird oftmals so überhaupt nicht intelligent gehandelt. Ganz im Gegenteil: vieles ist einfach nur dumm was wir machen.

 

Warum der Eisbär sterben musste, dies wird noch recherchiert. Ich möchte hier deshalb keinerlei Vermutungen anstellen. Allerdings ist sicher, dass wir Menschen in sein Revier eingedrungen sind. Seinen Lebensraum, sein zu Hause. Wie würden wir uns denn verhalten wenn plötzlich ein Bus vor unserer Haustüre anhält und Menschen einfach in die Wohnung hineinspazieren? Also in den USA würden die meisten schießen ;-) Der Eisbär hat sich gewehrt. Zu recht. Dafür lies er sein Leben...


Ich wollte hier aber keine Eisbär-Diskussion ins Leben rufen. Schon lange brennt mit etwas anderes auf dem Herzen. Was nun ganz gut zusammenpasst. Sollten wir also doch viel lieber in den Zoo gehen? Ist es besser die Tiere eingesperrt zu beobachten damit nichts passiert?

 

Geht doch mal in den Zoo..

Nein, macht das natürlich bitte nicht! Eisbären und andere große Raub- und Wildtiere haben für mich nichts im Zoo zu suchen. Eisbären bei 35 Grad in einem Zoo beim Baden zuzusehen, einen Tiger in einem wenige Quadratmeter großen Gehege beim Fressen beobachten oder Elefanten beim sinnlosen hin- und herlaufen zuzuschauen - was soll das? Ebenso unverständlich sind auch Attraktionen bei denen Orcas für Show-Zwecke missbraucht werden.

 

Doch die Shows und Zoos sind voll. Voll mit Menschen, voll mit Familien. Familien die ihren Kindern alles zeigen wollen. Am besten eben hautnah, denn die Kinder wollen das ja so. Sie wollen den niedlichen Löwen mal von nahem sehen. Sie wollen Free Willy im winzigen Pool gequält springen sehen. Sie wollen ihr Lieblingstier mal eben streicheln. Und kann man seinem (kleinen) Kind diese Wünsche denn abschlagen? Ja, verdammt noch mal! Man kann das seinen Kindern schon erklären - wenn man eben will!

 

Falsches Familien-Idyll im Zoo: Giraffen zum Anfassen.
Falsches Familien-Idyll im Zoo: Giraffen zum Anfassen.

Darum waren wir noch nie im Zoo:

Wir waren mit unserem Sohn noch in keinem Zoo. Ja, wir hatten bereits mehrfach die Möglichkeit und Einladungen Zoos zu besichtigen. Doch jedes Angebot lehne ich rigoros ab. Ich möchte meinem Sohn keine eingesperrten, gequälten Tiere zeigen.

 

Außerdem hatte er bisher die großartige Möglichkeit viele Tiere bereits in (fast) freier Wildbahn in Südafrika oder den USA zu sehen. (Ich schreibe fast, da in Südafrika die Nationalparks ebenfalls größtenteils zum Schutz eingezäunt sind) Ja, das ist anstrengend für die Kinder und oftmals auch enttäuschend. Häufig sind die Tiere weit weg, halten Abstand, sind scheu und zeigen sich nur kurz. Aber genau so ist das eben! Die Tiere haben ihr Leben und das kann man auch schon einem (kleinen) Kind erklären. Wenn sich kein Tier zeigt, dann zeigt es sich nicht und wenn es Lust dazu hat, dann bleibt es einem vor der Nase stehen.

 

Warum Tiere in freier Wildbahn zu beobachten auch nicht immer die beste Lösung ist.

Es ist traurig aber wahr. Manchmal scheint es tatsächlich besser zu sein Menschen in den Zoo zu schicken. Und ich meine nun nicht, damit diese dort eingesperrt werden - auch wenn das auch mal interessant wäre. Aber bei so viel Fehlverhalten von Leuten in der Natur kann man eigentlich nicht mehr anders. Hier mal zusammengefasst die 3 größten Dummheiten von Menschen bei Begegnungen mit freien Tieren.

  1. Viel zu nah an die Tiere herangehen: Vielen ist sehen ja nicht nah genug. Man muss immer einen Schritt näher und näher egal ob erlaubt oder nicht. Dazu hatte ich bereits ein No-Go geschrieben. Schaut mal hier.
  2. Wilde Tiere füttern: Damit die Tiere da bleiben oder überhaupt herkommen, greifen manche in die Brotbox und beginnen zu füttern. Ein Unding. Auch hierzu habe ich bereits ein No-Go verfasst, nämlich über unser krassestes Erlebnis als ein Familie im Krüger Nationalpark Hyänen mit Fleisch fütterte.
  3. Tiere anfassen und festhalten: Kommen die Tiere von selbst näher heran oder hat man sie mit Futter angelockt, dann kann man sie ja sofort auch anfassen und streicheln. Kleinere Wildtiere werden auch gerne direkt auf den Arm genommen und festgehalten. Das sind Wildtiere! Und wollt ihr von Fremden angefasst oder auf den Arm genommen werden?
Im Yellowstone Nationalpark in den USA hält ein Mann kaum Abstand zu einem ausgewachsenen Büffel.
Der Mann hält nur wenige Meter Abstand zu einem wilden Büffel.

Darf mein Sohn den Löwe mal streicheln?

Übrigens, ich wurde tatsächlich mal von einer Mutter gefragt, ob man denn bei einer Safari die Möglichkeit hätte ganz nah an einen Löwen heranzukommen und zu streicheln? WHAT?!?! Ich habe sie höflich daran erinnert, dass dies Tiere in freier Wildbahn sind und keine Kuscheltiere. Ich sagte ihr, ob man überhaupt einen Löwen zu Gesicht bekommt oder nicht, das kann keiner wissen. Daraufhin war sie sehr enttäuscht und meinte (ungefährer Wortlaut): "Das ist aber schade. Mein Sohn liebt aber Löwen und möchte unbedingt einen streicheln. Dann muss ich mal schauen wo man das machen kann." Der Gedanke ihrem - wohlgemerkt zweijährigen - Sohn dieses Erlebnis zu bieten hatte sich bei ihr festgebrannt. Das zeigt, dass es leider oft einfach die Eltern sind, die ihren Kindern nur das Beste wollen. Egal wie. Ohne nachzudenken. Ohne mal den Kindern einen Wunsch abzuschlagen...

 

Was wäre vielleicht die Alternative zum Zoo?

Steinböcke im Wildpark Peter&Paul in St. Gallen.
Steinböcke im Wildpark Peter&Paul in St. Gallen.

Ich bin niemand der generell gegen das "Einsperren" der Tiere ist, denn verfolgt man diesen Gedanken rigoros, so müssten wir auch überlegen wie das denn mit Pferden, Schafen oder gar Katzen ist.

 

Zudem gibt es auch Institutionen die Tiere zum Schutz Auffangen, züchten und wieder auswildern oder kranke Tiere pflegen und dann wieder in Freiheit entlassen. Auch das ist eine interessante Sache.

 

Eine gute Lösung sind für uns deshalb Tier- oder Wildparks. In den meisten Fällen werden hier - vorwiegend - nur heimische Tierarten in ausreichend großen Gehegen gehalten. Wildparks sind eigentlich immer bestens in die Natur eingebettet und bieten den Bewohnern ein natürliches Umfeld. Überlegt doch mal, ob es immer ein Zoo sein muss, oder ihr das nächste Mal nicht einen kleinen Tierpark besucht.


Welche Lösung scheint Euch am Attraktivsten?

Dass die Meinungen bei solch einem Thema weit auseinander gehen ist mir klar. Wie wir darüber denken wisst Ihr nun: nichts gegen gewisse Tiere in Parks, aber Eisbären im Zoo braucht es nicht. 

 

Wie denkt  Ihr darüber? Geht Ihr in Zoos und wenn ja, nur um den Kindern die Tiere zu zeigen? Oder findet Ihr es völlig ok große Wildtiere hinter Gittern zu sehen? Wie glaubt Ihr wird es in Zukunft sein?

 

Ich bin als Kind übrigens auch im Zoo gewesen. Je älter ich wurde umso komischer und befremdlicher fand ich es. Seitdem ich in Südafrika war, habe ich allerdings nie wieder einen Fuß in einen Zoo gesetzt. Es hat mir endgültig die Augen geöffnet. Ein Zoo kann einem Löwen oder selbst einem Vogelstrauß nie das bieten was er in freier Wildbahn hat

 

Und jetzt - schreibt mir Eure Erfahrungen!




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Kommentare: 2
  • #1

    Torsten (Donnerstag, 02 August 2018 20:46)

    Hallo,

    ja, du hast Recht! Es gibt zoologische Einrichtungen, die sind unter aller S... Gerade solche schrecklichen Tiergefängnisse wie im japanischen Einkaufszentrum, Safariparks, in denen die Tiere dem Autoverkehr ausgesetzt sind, Eventzoos oder Zoos, die sich nicht weiterentwickeln oder die neumodischen Erlebniszoos. Aber ...

    Ich bin als Kind immer gern in den Zoo gegangen, habe Tierfilme und Naturbücher verschlungen. Ich war am Tümpel, im Feld und im Wald. Das bin ich auch heute noch.

    Sicher ist es schöner, Wildtiere in freier Wildbahn zu beobachten. Doch mittlerweile ist der (teilweise Massentourismus!) Ausflug in die Natur zu einem Familienevent geworden. Frei nach dem Motto: wir gehen heute mal Kraniche gucken. Oder Kegelrobben. Oder zur Hirschbrunft. Oder nur mal raus in die Natur. Dann tobt dann eine Familie mit Kindern durch die Natur, in den Ohren die Kopfhörer vom Handy, laut labernd, singend oder streitend. Oder man besucht eine Führung im Nationalpark zur Hirschbrunft, setzt sich mit anderen Besuchern auf einen eigens dafür gebauten Ansitz an und wartet. Nach 15 Minuten sitzen werden die Kinder bereits unruhig, nach 30 Minuten ist die Ruhe vorbei und es wird gequängelt. Alles schon selbst tausendmal erlebt.

    Oder man reist weltweit zu den letzten ihrer Art oder in einen der berühmten Nationalparks, Dann wird daraus noch ein grosses Touristengeschäft aufgebaut, die Natur mit Hotels zersiedelt, Strassen angelegt, um noch mehr Touristen anzulocken. Auch nicht schön.

    Meiner Meinung nach darf man mit Kindern, gerade, wenn sie sich für die Natur begeistern, auch in den Zoo gehen. Allerdings sollte man die Kinder dann auch richtig aufklären über Zusammenhänge und nicht lärmend von Gehege zu Gehege rennen, an Terrarien oder Aquarien klopfen oder Tiere füttern oder gar mit Steinen bewerfen. Leier kann nicht jeder nach Afrika oder Südamerika oder sonstwohin reisen, aus unterschiedlichen Gründen. Ich konnte es als Kind nicht, weil ich in der DDR aufgewachsen bin. Ich habe meine Tier- und Naturliebe auch aus Zoos, konnte sogar eine kleine Tierparkschule regelmässig besuchen.

    Aus diesem Grunde verteufele ich zoologische Einrichtungen nicht direkt. Es kommt immer auf die Zustände dort an. Und vor allem wie Eltern und andere Menschen einem Kind die Natur erleben lassen.

    Beste Grüsse Torsten von
    https:www.tberg.de

  • #2

    Kind im Gepäck (Freitag, 03 August 2018 10:10)

    Hallo Torsten,

    vielen lieben Dank für Deinen tollen und ausführlichen Kommentar! Finde ich super geschrieben und wir geben Dir da vollkommen recht. Tourismus in manchen Gebieten bringt leider wieder viel Schlechtes mit sich. Wie du sagst, Hotels, Menschenmassen, Verkehr usw. das muss und sollte definitiv auch nicht sein.
    Zu viele befassen sich nicht richtig mit der Natur und dann kommen so Sprüche wie der oben: "Kann ich den Löwen mal anfassen?" Leider werden da den Kindern gleich falsche Eindrücke vermittelt.
    Es ist eben schwer den besten Mittelweg zu finden, aber ich denke wenn wir alle etwas umsichtiger werden und die Leute aufgeklärt werde, dann können wir ein klein wenig dazu beitragen.
    Wir danken Dir!

    Beste Grüße zurück :-)

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