Zürich: Lindt - Schokoladenmuseum der Schweiz

Lindt Home of Chocolate

Aktualisiert Mai 2024 mit ergänztem Kapitel (am Ende) zum Thema "Besuch für neurodivergente Menschen"

Imposant, stylisch und dennoch in schlichtem weiß - das Lindt Home of Chocolate.
Lindt Home of Chocolate in Kilchberg bei Zürich.

Die Schweiz ist bekannt für ihre leckere Schokolade. Und ein kleiner Ort am Züricher See ist seit langem weltberühmt für seine Schokoladenherstellung: Kilchberg. Denn in Kilchberg liegt die Heimat von Lindt & Sprüngli. Wir haben der Heimat von Lindt & Sprüngli einen Besuch abgestattet und Euch ganz viel Wissen und Infos über das Geheimnis der Schweizer Schokolade mitgebracht.

 

Übrigens, unglaublich aber wahr: das Home of Chocolate in Kilchberg bei Zürich öffnete erst Jahr 2020, zum 175-jährigen Jubiläum von Lindt & Sprüngli, seine Türen. Wenn ihr euch nun wundert weil Lindt schon immer da war - natürlich, aber der Hauptsitz des Schokoladenherstellers beherbergt nun nicht mehr nur die reine Schokoladenherstellung und eine Forschungs- und Pilotanlage, sondern auch ein interaktives Schokoladenmuseum, ein Café und Chocolateria - speziell für Schokoladenkurse entwickelt - den weltweit größten Schokoladenladen und den größten Schokoladenbrunnen der Welt. Tretet ein!


Das Lindt Schokoladenmuseum Home of Chocolate in Kilchberg.
Die Eingangshalle des Lindt Home of Chocolate am Zürichsee.

Die Geschichte von Lindt & Sprüngli - zwei Familien, ein Ziel

Es war einmal im Jahre 1845 als ein Süßwarenladen in Zürich von David Sprüngli eröffnete wurde...

In einer kleinen Konditorei in der Marktgasse in der Zürcher Altstadt stellten David Sprüngli und sein Sohn Rudolf Sprüngli-Ammann die erste feste Schokoladentafel im deutschsprachigen Teil der Schweiz her. Ein Erfolg. Sprüngli wuchs schnell und dank des Unternehmergeistes von David Sprüngli eröffnete 1847 das nächste Werk und die Firma vergrößerte sich in den darauffolgenden Jahren stetig 

 

Ungeachtet des Erfolges am Zürcher See eröffnete Rodolphe Lindt, Sohn eines Apothekers, 1879 in Bern ebenfalls eine kleine Konditorei. Seine Schokoladenfirma Rod. Lindt & Söhne produzierte nur harte, bittere Schokolade. Doch Lindt experimentierte viel. An einem Freitagabend verließ er die Fabrik ohne die Conchiermaschine auszuschalten. So rührte die Maschine das ganze Wochenende über weiter. Die Schokolade, die Lindt schließlich am Montag vorfand, war köstlich zart und schmeckte wie nie zuvor. Von nun an war die Welt der Schokolade für immer verändert. Es war der Beginn der berühmten Lindt Schokolade. 

Natürlich wurde auch Sprüngli am Züricher See darauf aufmerksam. Doch erst zwanzig Jahre später trafen sich die beiden Unternehmer. Johann Rudolf Sprüngli hatte gerade den Bau eines größeren Schokoladenwerks in Kilchberg-Bendlikon, dem heutigen Hauptsitz, abgeschlossen. Gleichzeitig brachte in Bern die hohe Nachfrage nach Rodolphe Lindts cremiger Schokolade die kleine antiquierte Produktionsstätte an ihre Grenzen. Sprüngli bot an das Unternehmen für 1,5 Millionen Goldfranken – einschließlich der Marke Lindt und Geheimrezept – zu kaufen. Lindt stimmte unter der Bedingung zu, dass er noch ein Mitspracherecht im Geschäft haben würde. Die Partnerschaft war geboren beziehungsweise es entstanden parallel zwei Einrichtungen: Sprüngli und Lindt & Sprüngli – oder, wie sie damals offiziell genannt wurden, „Aktiengesellschaft Vereinigte Berner & Zürcher Chocoladenfabriken Lindt & Sprüngli".



Das erwartet Euch bei einem Rundgang  im Lindt Home of Chocolate:

Wie bereits erwähnt: der riesige Schokoladenbrunnen in der Eingangshalle verrät - Schokoladen-Fans können hier nicht falsch sein. Es ist der weltweit größte Schokoladen-Brunnen, nur leider darf man nicht direkt davon probieren. Vermutlich würde dies sonst in einem puren Schokoladen-Chaos enden, wenn jeder seine Finger oder gleich den Mund in die fließende Schokolade halten würde. Dennoch, nach so viel wortwörtlichem Vorgeschmack ist das pure Schokoladenvergnügen nicht mehr weit.

 

Direkt hinter dem Brunnen nehmt Ihr Euch einen Audio-Guide, steigt die Treppen in den ersten Stock hinauf und schon öffnet sich dort das Tor zum süßen Geheimnis - die interaktive Entdeckungsreise in die Welt der Schokolade beginnt...

 

Die Geschichte der Schokolade

Willkommen bei Lindt im Schokoladenmuseum.
Welcome to Lindt <3

Nach der Begrüßung durch eine Videoleinwand erfahren die Besucher zunächst sehr viel über die Entstehung der Schokolade. Wo kommt die wichtigste Zutat der Schokolade, die Kakaobohne, überhaupt her? Wie wird diese angepflanzt? Wie sind die Verhältnisse der dortigen Bauern? Und vieles vieles mehr.

 

An zahlreichen spannenden Einzelstationen scannt man mit seinem Audioguide einfach den Code und schon muss man nur noch der Stimme im Gerät lauschen und erfährt alles über die Zutat. 

 

Auf den ersten Blick erscheint der Raum nicht allzu groß, doch seid gespannt, es gibt wirklich eine Menge über den Kakao zu berichten. Denn der Weg, bis die Kakaobohne zur Schokolade verarbeitet ist, ist sehr lang und beschwerlich. Deshalb kann man im Museum sogar den Kakaobauern bei der Arbeit über die Schulter schauen. Videos und der Audioguide machen es möglich.


Nach all den Informationen über die Kakaobohnen geht es weiter mit der Geschichte der Schokolade. In diesem runden Raum scheint nicht allzu viel zu passieren, doch auch hier sind rundherum jede Menge Informationen und Wissenswertes verarbeitet. Die Besucher können sich beispielsweise nach Zentralamerika entführen lassen und die jahrtausendalte Geheimisse der Schokolade kennen lernen. Auch ist es möglich sich selbst mal am Mahlen von Schokolade zu versuchen. Ihr werdet staunen was für Geschichten es rund um die Schokolade gibt.

 

Und dann, noch einige Schritte weiter, kommt die Schweiz ins Spiel. Hier erfahren die Besucher alles rund um das kleine bergige Land, dass zum weltweit bekannten Schokoladenland wurde. Erfindungen, Entwicklungen und Erkenntnisse welche die Schokoladenwelt im 19. Jahrhundert revolutionierten werden einem hier aufgezeigt. Ein Raum voll Schweizer Pioniere und spannender Geschichten.


Die Schokoladenproduktion

Nach all den Zahlen und Fakten kommt die Halle, in welcher den Besuchern die Schokoladenproduktion näher gebracht wird, wie gerufen. Die Produktion kann Schritt für Schritt nachvollzogen und verfolgt werden: von der Verarbeitung der Bohnen zur Kakaomasse, über die flüssige Schokolade bis hin zu den fertigen Tafeln.  

 

Aber natürlich hat das Museum auch hier weit mehr zu bieten. Der Besucher sieht die Schokolade hier nicht nur, nein, er kann diese sogar ausgiebig testen. Drei kleine Schokoladenbrunnen laden ein, weiße, Vollmilch und dunkle Schokolade in flüssiger Form mit einem Löffel zu probieren. Manch einer mag hier für einige Zeit an einem der Brunnen verweilen. Doch der Schokoladenhunger sollte an dieser Stelle nicht gänzlich gestillt werden, denn es folgen noch einige weitere Stationen, an denen genascht werden darf!

Maestrani Schokolade selber machen und verzieren.

Beispielsweise gibt es auch noch eine Station mit den unterschiedlichsten "Automaten", an denen man sich und seine Geschmacksnerven genauer testen kann. Hier können sich kleine Schokoladenstückchen herausgelassen werden, ab damit in den Mund und dann sei geraten was alles in der Schokolade steckt. Ein recht spannendes Experiment, denn logischerweise gibt es hier nicht die 08/15 - Sorten, sondern eher exotische Schokoladen-Varianten. Ein wahres Vergnügen.

Nach einem weiteren Raum voll interaktivem Schweizer Schokoladen-Wissen, kann man sich virtuell mit dem berühmten Lindt-Hasen oder Tennis-Star und Testimonial Roger Federer fotografieren lassen. Wer noch nicht genug hat, dem steht die wirklich allerletzte Schokoladenorgie bevor. Nur den wenigsten wird es nun wohl noch gelingen sich durch das komplette Lindor - Kugelmeer von Schokoladen-Kugeln zu naschen. 

Danach verlässt man die offiziellen Museumsräumlichkeiten. Der Weg führt die Besucher vorbei an der Schokoladenfabrik zum abschließenden Highlight - vor allem für die kleineren Besucher: den beiden Kugelbahnen. Hier kann der Eintritts-Ticket-Code gegen ein Schokoladen-Täfelchen getauscht werden. Seid gespannt!


Fakten zum größten Schokoladenbrunnen der Welt:

Der große Schokoladenbrunnen im Eingangsbereich ist nicht nur ein optisches Highlight, sondern auch ein kleines Meisterwerk der Konstruktion. Denn schließlich bietet der Brunnen nicht nur den perfekten Einstieg in die Welt der Schokolade, gleichermaßen umfließen die schwerelos wirkende Konstruktion 1500kg echte Schokolade. So verzaubert der wie von Zauberhand geführte Brunnen Klein und Groß.

 

Drei Tonnen ist der Schokoladenbrunnen übrigens schwer. Wie bereits erwähnt sind 1500 kg davon feine Schokolade. Diese fließt mit einer Geschwindigkeit von einem Kilo pro Sekunde durch den Brunnen. Damit das überhaupt möglich war, wurden Rohre mit einer Gesamtlänge von 94 Metern in dem exakt 9,3 Meter hohen Schokoladenbrunnen verlegt. Ein wirklich imposantes Werk.

Lindt´s größter Schokoladenbrunnen der Welt.
Der größte Schokoladenbrunnen der Welt im Lindt Home of Chocolate.


Fazit zu unserem Besuch im Lindt Home of Chocolate:

Eine Idee was uns beim Schokoladenhersteller erwartet hatten wir ehrlich gesagt nicht, denn bisher kannten wir nur das Chocolarium der Konkurrenz bei St. Gallen. Bei Lindt ist, das fällt sofort auf, alles etwas edler und vor allem größer. Gleich am Eingang der riesen Schokoladenbrunnen in der hellen Empfangshalle - da muss man einfach ins Staunen kommen. 

Der Rundgang durch die verschiedenen Räume dauert je nachdem wie intensiv Ihr Euch mit den Informationen beschäftigt rund ein bis zwei Stunden. Für jüngere Besucher sind es wirklich viele Informationen. Während unser kleiner Mann anfangs noch voll bei der Sache war, änderte sich dies dann doch. Verständlich, denn wer will schon ewig nur über Schokolade hören und diese nicht versuchen. Dennoch finden wir, dass der Aufbau des Museums gelungen ist. Die Informationen über die Schokolade, deren Entwicklung und die Schweizer Schokolade an sich sind super interessant. 

 

Der Audioguide machte es allen Familienmitgliedern einfacher sich im eigenen Tempo die unterschiedlichsten Stationen anzuhören. Auch ein Vorteil, dass jüngeren Kindern nicht zwingend vorgelesen werden muss. Mit dem Audioguide können diese selbst aktiv werden. Der klare Pluspunkt einer multimedialen Führung.

 

Die zahlreichen Probierstationen versüßen die vielen zuvor gehörten Informationen. Uns hat es gut gefallen. Ein toller Programmpunkt, der bei einem Zürich-Besuch eigentlich nicht fehlen darf.

Lindt-Sckokoladenmuseum
Lindt-Sckokoladenmuseum


Fakten: Inklusion im "Lindt - Home of Chocolate"

Vorweg: ein Großteil der Menschen mit "Behinderungen" / Einschränkungen haben Symptome / Schwierigkeiten, die für das Umfeld nicht sofort erkennbar sind. Unsichtbare Behinderungen entstehen durch Erkrankungen wie Krebs, Multiple Sklerose, psychische Erkrankungen usw. Aber auch neurodivergente Menschen im Autismus Spektrum zählen dazu. Diese Menschen haben Probleme bspw. durch Reizüberflutung und andersartige Wahrnehmungen im Alltag zurecht zu kommen. 

 

Da Neurodiversität und die Ausprägungen an sich so wahnsinnig unterschiedlich sind, ist es natürlich schwer hierfür in allen Bereichen eine optimale Lösung zu finden.

Aktuell gibt es noch keine konkreten Angebote / inklusive spezielle Besuchszeiten für neurodivergente Menschen. Der Besuch im Museum ist jedoch barrierefrei, sprich rollstuhlgerecht. Durch die verschiedensprachigen Audioguides kann jeder Besucher das Tempo selbst bestimmen und muss auch nicht selbst lesen können. Nach Aussage von Lindt wird aktuell an einem speziellen Angebot gearbeitet. 

Sollte es diverse Wünsche und Anliegen geben, bitte vor Ticketbuchung direkt an das Museum wenden und nachfragen was möglich ist.

 

Wir haben Euch wichtige und für neurodiverse Menschen interessante Fakten und Wissenswertes zum Besuch zusammengetragen.

  • Timed-Ticket / Beschränkter Zugang:

Der Einlass ins Museum erfolgt durch ein Timed-Ticket, sprich man kann nur während einer 30-minütigen Zeitspanne das Museum betreten. Einlass immer ab der vollen und der halben Stunde. Hat man ein Ticket ab 14 Uhr, so kann man ab 14 bis 14:30 Uhr eintreten. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es immer gegen Ende dieser Zeitspanne noch ruhiger ist. Zudem kann es so auch nie wirklich voll werden.

 

  • Wartezeiten beim Rundgang: 

Prinzipiell gibt es durch die zeitlich festgelegten Tickets keine Wartezeiten. An den drei Sckokoladenbrunnen und den Maschinen die Schokoladenstückchen ausspucken kann es natürlich mal sein, das man kurz warten muss. Allerdings hält sich dies wirklich in Grenzen und minutenlanges Warten gibt es eigentlich nicht.

 

  • Sensorische Reize im Museum: 

Generell haben wir festgestellt, dass es im Museum sehr ruhig ist. Durch die Audioguides lauscht jeder Besucher nur dem Gerät. Es gibt kein lautes Stimmengewirr oder sonstige Lärmquellen. Trotzdem sind im Museum andere sensorischen Reize zu erwarten. Im ersten Raum (Bild 1 oben), in dem es um die Kakaopflanze geht sind große Bildschirme aufgebaut. Allerdings sind keine hektischen und schnelllaufenden Bilder darauf. Auch wird keine Hektik, sondern vielmehr Ruhe vermittelt. Alles ist sehr gediegen.

Potentielle Herausforderung: der Raum nach den Schokoladenbrunnen (Bild 2). Dieser Raum ist total abgedunkelt und es gibt Lichtquellen. Erdkugeln sind hell erleuchtet und es gibt Interessantes zur Schweizer Schokolade. Es gibt aber keine schnellen Lichteffekte.

 

Inklusives Kurz-Fazit:

Wir haben das Museum zu normalen Besuchszeiten besucht. Unser Sohn liebt dieses Museum, daher waren wir bereits drei Mal vor Ort. Für unseren neurodiversen Sohn bietet das Museum keine zusätzlich Herausforderungen, ausgenommen derer die beim Aufeinandertreffen mit mehreren Menschen sowieso vorhanden sind. Für ihn ist es ein Erlebnis einfach recht schnell durchzukommen und dann würde er gerne wieder von Beginn an starten. Natürlich gibt es zahlreiche Einflüsse, aber diese gibt es ja überall. 

Wie bereits erwähnt finden wir das Museum wirklich sehr sehr ruhig und keineswegs hektisch und bietet auch Spaß für Kinder.


All you need to know:

Anschrift: Schokoladenplatz 1, 8802 Kilchberg, Schweiz.

Anfahrt / Parken: Mit dem PKW kann man nur begrenzt im Parkhaus am "Home of Chocolate" Parken. Vom Bahnhof Kilchberg fährt man mit dem Postauto zur Haltestelle "Lindt&Sprüngli". Von hier ist es direkt um´s Eck. Vom Bahnhof zum Home of Chocolate kann man auch laufen (ca. 10 Minuten).

 

Kosten: 15,- CHF für Erwachsene, 10,- CHF Kinder (8-15 Jahre), Familien (max.2 Erw. + 3 Kinder) 34,- CHF. 

Öffnungszeiten: Montag - Sonntag: 10 - 18 Uhr (letzter Einlass 17 Uhr). Es gibt einzelne Schließtage. Bitte hier Datum überprüfen. 

 

Besuchsdauer: zwischen 1 bis 2 Stunden.

Kinderwagentauglich? Das Museum ist barrierefrei. Kinderwagen sind nicht erlaubt, aber es stehen kostenlos Buggys zur Verfügung.


Rucksäcke oder ähnliches dürfen nicht in die Ausstellung mitgenommen werden. Es stehen jedoch kostenlose Gepäckfächer in unterschiedlichen Größen zu Verfügung. Außerdem gibt es kostenloses Wlan für Besucher und USB-Ladeplätze für Mobiltelefone. Im Außenbereich gibt es zudem Picknickplätze (für Schulklassen), eine Cafeteria mit kleiner Karte und einen Shop.

 

Für Familien werden neben den Buggys und Wickeltischen auch ein spezieller Audioguide mit kindgerechten Texten (in deutsch) angeboten.


Werbung/Offenlegung: Wir haben freien Eintritt zum "Lindt Home of Chocolate" erhalten. Dies hat unsere Wahrnehmung und Meinung jedoch in keiner Weise beeinflusst.


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