Sani Pass: Tipps & Infos für Selbstfahrer (mit Kind)

Tour Ja oder Nein?!?

Der Sani Pass - einer der schönsten und spektakulärsten Pässe weltweit.

Aber ist es wirklich auch eine der gefährlichsten Straßen und für Selbstfahrer schwer machbar?

Wir haben lange überlegt, viele Meinungen von Journalisten, Bloggern und Reisenden gelesen und dann entschieden:

Wir tun es! Wir mieten einen Wagen mit Allrad-Antrieb und fahren den Pass selbst!

Unsere Erfahrung, Meinung und Tipps:

 

Fakten über den Sani Pass:

Der Sani Pass in den südlichen Drakensbergen ist das Touristen-Highlight der Region. Kein Wunder, schließlich ist der Sani Pass die höchste Passstrasse Südafrikas und die drittsteilste der Welt. Von knapp über 1500 Metern nahe Himeville in der südafrikanischen Provinz KwaZulu-Natal schlängelt sich die nicht geteerte Straße (Dirtroad) hinauf bis auf eine Passhöhe von 2873 Metern in Lesotho.

Insgesamt ist die Dirtroad knapp 20 Kilometer lang. Von Grenze zu Grenze sind es allerdings gerade einmal rund acht Kilometer, jedoch gilt es dabei fast 1000 Höhenmeter zu bewältigen. Somit geht es vor allem die letzten Kilometer - über mehrere Spitzkehren - steil bergauf. 

Der Sani Pass ist die einzige Verbindung vom Osten Lesothos nach Südafrika. Aufgrund des teils (sehr) schlechten Straßenzustandes ist die Strecke - von Grenzposten zu Grenzposten - nur für Autos mit Allradantrieb zugelassen.

Am Sani Pass verläuft übrigens auch die Wasserscheide zwischen dem Atlantik und dem Indischem Ozean.


Historisches zum Pass:

Der Ursprung des Passes geht bis in das Jahr 1913 zurück. Damals wurde der Sanipass als Saumpfad für den Handel zwischen Südafrika und Mokhotlong/ Lesotho angelegt. Saumpfad? So wurden Wege bezeichnet die für Gespanne zu steil oder zu unwegsam waren. Der Transport erfolgte mit Eseln. 

 

1948 befuhr Godfrey Edmonds am 26. Oktober das erste Mal mit einem Militärjeep den Pass. Er benötigte damals rund sechs Stunden bis zur Passhöhe. Ganz ohne Hilfe gelang ihm die Fahrt hinauf damals allerdings nicht. Man half ihm mit Seilen, Mauleseln und Flaschenzügen.

 

Vier Jahre später befuhr Alwyn Bisschoff den Pass, der immer noch ein reiner Handelspfad für Packesel war, mit einem Land Rover. Bisschoff sollte für die Kolonialverwaltung zwei Fahrzeuge in der Höhe testen. Er war zuerst in Maseru eingesetzt, dann sollte er mit den Fahrzeugen nach Mokhotlong. Da es keine Straßenverbindung innerhalb des Landes gab war die einzige Möglichkeit über den Pass nach Mokhotlong zu gelangen.

 

1955 gründete David Alexander - der schon seit Kindertagen von einem Pass für motorisierte Fahrzeuge von Himeville nach Mokhotlong träumte -  die Mokhotlong Mountain Transport (MMT). Sein Team baute schließlich den Saumweg zu einer befahrenen Passstraße aus. Endlich konnte der Handel zwischen Himeville und Underberg in Südafrika und Mokhotlong im Basutoland mit Wagen ausgeführt werden. Bereits fünf Jahre später wurde der Pass sogar schon mit Allrad-LKWs befahren. Die ganze Geschichte über David Alexander kann auf der Tafel, welche im höchsten Pub Afrikas hängt (unten abfotografiert), nachgelesen werden.

 

Und wisst ihr was: die ursprüngliche Gesellschaft - die MMT - existiert sozusagen noch heute! Allerdings wurde die MMT an die Stadt Underberg verkauft und läuft heute unter dem Namen "Sani Pass Tours": einer der bekanntesten Veranstalter für Touristen-Fahrten auf den Sani Pass. 

 

Eine Tafel im höchsten Pub Afrikas erzählt die Geschichte von David Alexander und dem Sani Pass.
Eine Tafel im höchsten Pub Afrikas erzählt die Geschichte von David Alexander und dem Sani Pass.

Unsere persönlich Erfahrung am Pass und welch "Schauermärchen" wir davor gelesen haben....

Wenn man den Sani Pass googelt, in Internet-Foren oder Gruppen nach Meinungen sucht oder nach Erfahrungen von Selbstfahrer fragt, dann passiert etwas Krasses: entweder werden die furchterregendsten Stories von Unfällen und abgestürzten Autos ausgepackt oder man lächelt und bekommt zu hören, dass alles easy sei. Letzteres haben wir seltener erlebt. Meist riet man uns davor ab den Pass selbst zu fahren und schlug uns eine Tour vor. Mein Bauchgefühl sagte mir aber, dass dies nicht unser Ding ist und wir das sehr wohl selbst schaffen!

So machten wir uns also am 20.September 2017 mit unserem Allrad von Underberg aus auf den Weg. Ziemlich spät, es war bereits 11:30 Uhr, da wir noch Utensilien für unsere Spendenaktion eingekauft hatten. Wir bretterten also gedankenverloren über die Landstraße und wurden sogleich für unser Unwissen bestraft. Bähm! Die geteerte Straße endete urplötzlich! Wir rasten auf die Schotterpiste. Uns war zwar bekannt gewesen, dass der geteerte Teil mal aufhört, allerdings waren wir davon ausgegangen, dass es noch ein Stückchen bist dorthin ist....

 

Naja, ein wenig Schotterpiste ist nicht allzu schlimm. Doch weit gefehlt! Die Dirtroad präsentierte sich mit jedem Meter den wir weiterfuhren in schlechterem Zustand. Mehr als maximal 30km/h waren nicht drin. Das kann ja heiter werden!

 

Uns überkamen erste Zweifel ob es eine gute Idee war den Pass zu fahren. Hatten wir uns übernommen? Wir tuckerten dahin, Samu - total  müde - wurde so durchgeschüttelt, dass er nicht einmal schlafen konnte. Ich setzte mich zu ihm und stützte seinen Kopf. Wenn das so weitergeht....

Da war die Strasse plötzlich zu Ende.
Da war die Strasse plötzlich zu Ende.

Immer wieder wurden wir an Baustellen kurz gestoppt. Dank meiner Stützhilfe konnte Samu einschlafen. Aber mit jedem Meter den wir fuhren fragten wir uns wie weit es wohl noch bis zum Grenzposten sei. Wenn die Straße hier unten schon so ruppig ist, wie wird diese erst am Pass sein`? Eigentlich, so dachten wir, ist der Pass das schlimmere Stück...

 

Um kurz nach 12 Uhr erreichten wir den Grenzposten. Ohje, hoffentlich machen die keine Mittagspause! Ja, anscheinend soll das laut einigen Berichterstattern vorkommen. Wir waren also gespannt was uns erwarten würde. Brav sammelten wir alle Pässe und Unterlagen zu Auto und Kind zusammen. Schließlich hatten wir auch von Geschichten gelesen wo Touristen ewig kontrolliert und "auseinandergenommen" wurden. Doch alles ganz easy. Wir bekamen ratzfatz die Stempel in die Pässe und durften weiter.

 

Endlich den Pass hinauf!

Jetzt waren wir also auf den letzten rund acht Kilometer im Niemandsland unterwegs. Dem legendären Part der nichts für Weicheier ist. Bereits nach wenigen Metern mussten auch wir zugeben: wir sind überwältigt! Nicht von der Straße, sondern von der Landschaft. Beeindruckend windet diese sich an den steilen Hängen den Berg hinauf. Faszinierend!

 

Entgegen unserer Befürchtungen war der Pass hier in deutlich besserem Zustand als im Abschnitt zuvor. Mit jedem Meter den wir weiterfuhren kamen wir mehr und mehr ins Schwärmen und Staunen. Das Tolle: wir hatten den Pass fast für uns alleine! Lediglich ein LKW machte sich noch auf den Weg noch oben - ebenfalls ein spannendes Erlebnis.

 

Trotz regelmäßigen Fotostopps schlängelten wir uns bald die letzten steilen Serpentinen hinauf. Und oben angekommen fragten wir uns: "War´s das schon?!" Rund 40 Minuten hatten wir nur gebraucht. Auch hier bei der Einreise keine Probleme: Pässe zeigen, Stempel rein, weiterfahren.


Und wieder zurück....

Auch bei der Rückfahrt stellten beide Grenzposten keinerlei Probleme dar. Alles lief problemlos: keinerlei Wartezeiten, keine kuriose Geldforderungen, Androhungen oder ähnliches. Man wollte weder bei der Aus- noch bei der Einreise nach Südafrika die internationale Geburtsurkunde sehen (bitte trotzdem immer dabei haben!) oder fragte nach Mietwagenunterlagen.   

Die Fahrt hinab empfanden wir spektakulärer. Man kommt irgendwie nicht um den Gedanken herum: "Wenn jetzt die Bremsen versagen..."

 

Wieder hatten wir den Pass fast für uns allein. Die Touristen-Touren hatten sich früher auf den Weg nach Hause gemacht. Unterwegs überholten wir dennoch einen Wagen! Das zeigt wie langsam die Touren unterwegs sind... Auch wir haben natürlich immer wieder für Fotos gestoppt, waren aber dennoch irgendwie schneller. Diese Male erreichten wir nach 30 Minuten bereits den Grenzposten.

 

Und ehrlich gesagt kam uns auf dem Rückweg die Schotterpiste gar nicht mehr so schlimm vor wie auf dem Hinweg einen Tag zuvor! Entweder war die Straße wirklich etwas besser (was sein kann da es in der Nacht bevor wir hochgefahren sind geregnet hatte und die schweren Baustellenfahrzeuge natürlich sicherlich die Straßenverhältnisse verschlechtern) oder wir hatten uns an die Schotterpiste gewöhnt. Auch Samu kam dieses Mal perfekt damit klar.

Der Ausblick bei der Fahrt hinab ist teilweise ein wenig beängstigend...
Der Ausblick bei der Fahrt hinab ist teilweise ein wenig beängstigend...

Fazit:

Wir sind sowas von froh selbst gefahren zu sein. Auch wenn wir anfangs kurz dachten es geht schief. Wir würden es sofort wieder tun! Denn das Gefühl oben anzukommen, die Grenze zu überqueren und dann hinab zu blicken und sagen zu können: das haben wir geschafft! Das war und bleibt grandios! Ein Moment den wir nie vergessen werden und definitiv ein Highlight unserer Tour!

 

Yeah! Wir haben es geschafft! Oben angekommen am Sani Pass auf 2873 Metern - wahre Glücksgefühle.
Yeah! Wir haben es geschafft! Oben angekommen am Sani Pass auf 2873 Metern - wahre Glücksgefühle.

Meinung & Tipp zum Selbstfahren:

Unserer Meinung nach ist der Sani Pass für Selbstfahrer geeignet die bereits 4x4-Erfahrung haben. Wir würden uns definitiv nicht als Experten auf dem Gebiet bezeichnen, sind allerdings schon einige Dirtroads - hauptsächlich in den USA - gefahren. Wie überall, so gilt auch am Sani Pass: informiert Euch über das Wetter und den damit verbundenen Straßenzustand. Ohne jegliche Offroad-Erfahrung oder mit extremer Höhenangst sollte man den Pass nicht selbst hinauf fahren! Dann bucht bitte ein Tour, damit erhaltet ihr auch die Jobs der Fahrer ;-) Der Pass ist nicht umsonst eine der gefährlichsten Straßen weltweit.

 

Unser Tipp zum Selbstfahren: Fahrt außerhalb der "Stoßzeiten". Die geführten Tagestouren starten am frühen Vormittag und fahren gegen 14 bis 14:30 Uhr wieder zurück. Meidet es dann unterwegs zu sein. Obwohl wir Mitte September noch nicht zur absoluten Hochsaison unterwegs waren, haben wir vom höchsten Pub Südafrikas aus beobachtet wie sich eine Karawane von sechs Tour-Fahrzeugen hinuntergeschlängelt hat. Da muss man nicht mittendrin sein.

 

Wieso wird am Sani Pass gebaut?

Zunächst einmal muss man wissen, die Sani Pass Road beginnt bereits wenn man Himeville verlassen hat und Richtung Westen, Richtung Lesotho abzweigt. Dieses Straßenstück wurde bereits 2012 - bis kurz nach der Sani Lodge Backpackers - asphaltiert. 2014 wurde beschlossen die Straße noch weiter auszubauen und zu asphaltieren, daher die Bauarbeiten im Abschnitt danach. Ursprünglich hieß es das so genannte "Sani Pass road upgrade project" soll bis 2019 abgeschlossen sein. Dem neusten Stand zu Folge (Info vom 24.08.2017) haben die Bauarbeiten erst wieder begonnen und werden 36 Monate, bis zum Juli 2020, dauern. Dann soll der gesamte Pass hinauf geteert (bis Sani Top) sein.


Weitere Berichte über Südafrika & Lesotho:


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Kommentare: 11
  • #1

    Clemens (Montag, 30 Oktober 2017 22:36)

    Witzig, wir haben auch erst neulich über den Sani Pass berichtet. Tolle Fotos und ihr sprecht mir aus dem Herzen.

  • #2

    Kind im Gepäck (Montag, 30 Oktober 2017 23:20)

    Ja echt?! Das müssen wir uns mal auf Eurer Seite anschauen ;-) Danke Dir!

  • #3

    Katja vom WellSpa-Portal (Freitag, 17 November 2017 11:48)

    Was für eine Tour, das liest sich super spannend. Ganz ehrlich, ich bin auch wesentlich lieber "Selbstfahrer" als Mitfahrer.
    Danke für den Tipp mit den Stosszeiten, diese zu meiden ist sicher sehr sinnvoll.

    Liebe Grüße
    Katja

  • #4

    Gudrun (Freitag, 17 November 2017 12:01)

    Das habt ihr gut gemacht. Immer darf man sich nicht auf andere Forenbeiträge oder so verlassen und muss halt selber durch. Die Fotos von der Landschaft sind wunderschön geworden.

  • #5

    Kind im Gepäck (Freitag, 17 November 2017 13:33)

    Danke dir Gudrun! Ja, es ist eben wie immer im Leben... nicht immer auf das hören was andere sagen ;-) Manchmal muss man einfach etwas "wagen" und schauen wie es kommt.

  • #6

    Kind im Gepäck (Freitag, 17 November 2017 13:34)

    Freut uns das es gefällt! Manchmal sind es Kleinigkeiten die es zu beachten gilt und dann etwas Besonderes daraus machen ;-)

    Liebe Grüße zurück von uns 3!

  • #7

    Daniela (Freitag, 17 November 2017 17:53)

    Das stelle ich mir gar nicht so einfach vor, den Pass selbst zu fahren und 1000 Höhenmeter sind nicht zu unterschätzen. Mein Körper würde da rebellieren.

    Aber allein die grandiose Aussicht lohnt sich ja schon. Toll, dass ihr das trotz der Bedenken angegangen seid und erfolgreich gemeistert habt.

    Liebe Grüße Daniela

  • #8

    Robert (Freitag, 17 November 2017 21:41)

    Mein Besuch am Sani Pass ist jetzt schon ein paar Jahre her - damals war die Straße katastrophal! Wir sind weder mit dem eigenen Fahrzeug unterwegs gewesen, noch haben wir an einer Tour teilgenommen, sondern sind mit den lokalen Minibussen gefahren. Das ist einerseits die günstigste Art (für die, die sparen wollen) und anderseits bekommt man einen sehr interessanten Einblick in die Kultur.

  • #9

    Naninka (Sonntag, 19 November 2017 13:19)

    Tour definitiv ja!
    Ich hab es ja auf Facebook schon bewundert und kann es hier nur nochmal sagen. Atemberaubende Ausblicke, die Natur ist grandios. Sicher ist es mit Kind auf dem Rücken deutlich anstrengender, aber es ist einfach klasse, dass ihr solche Geschichten trotzdem macht.

  • #10

    Victoria (Montag, 20 November 2017 07:16)

    Was für ein Erlebnis. Eure Fahrt klingt toll, aufregend aber machbar. Wir wären wohl auch eher die Selbstfahrer, gut zu wissen, dass es mit etwas Vorbereitung und Geschick machbar ist. Abschrecken würde mich eher die Wust an Unterlagen die man da eventuell vorzeigen muss. ;-)

    Viele Grüße
    Victoria

  • #11

    Susanne (Dienstag, 21 November 2017 08:03)

    Wow, was für ein Erlebnis! Die Landschaft ist ja wirklich atemberaubend. Keine Ahnung, ob wir uns an das Fahrerlebnis heran getraut hätten, aber ich sehe, es lohnt sich wirklich.
    Danke für die tollen Eindrücke!
    Susanne

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