Hluhluwe-Imfolozi: ein 4x4 Abenteuer

Gefangen zwischen Kühen und Zebras

"Maaaan!" - brülle ich und stoße mir den Kopf am Vordersitz an. "Da liegt Stacheldraht!", schreit Rolf zurück. "Da liegt waaas?", hake ich verdutzt nach obwohl ich es natürlich klar und deutlich verstanden habe. "Stacheldraht", gafft er mich an. "Ich habe verstanden, aber wir sind mitten im Park was hat das Stacheldraht zu suchen...", wundere ich mich laut und werfe einen Blick nach draußen. Tatsächlich liegt ein mehrere Meter langes Stück Stacheldrahtzaun mitten auf der Fahrbahn - wenn man das Fahrbahn nennen kann. Denn wir befinden uns auf der nur für Allrad-Fahrzeuge ausgeschriebenen 4x4-Strecke im Imfolozi-Teil des Game Reserves.

 

Vor einigen Metern ist die Strecke immer steiniger. Links von uns - nur wenige Meter entfernt - befindet sich der Grenzzaun des Hluhluwe-Imfolozi Game Reserves. Dahinter weiden Kühe. Rechts von uns stehen, ein Stückchen weiter entfernt, ein paar Zebras. Ein obskures Bild. Kühe und Zebras so nah beieinander. Wir drinnen, eingeschlossen mit den Zebras, und draußen die Kühe.

 

Doch was uns nun vielmehr beschäftigt ist dieser Stacheldraht. "Ich steige aus", sagt Rolf plötzlich. "Du weißt schon, dass es hier Löwen und so gibt...", sage ich vorsichtig. Eine bessere Idee fällt mir allerdings auch nicht ein, denn außen herum fahren geht nicht. "Ok, ich halte Ausschau und schreie dann... oder mache ein Video", scherze ich während Rolf bereits nach draußen schwingt. Er zerrt den Zaun mit Mühe zur Seite. Er scheint schon ein wenig mit dem Boden verwachsen zu sein. Hier ist wohl schon länger niemand mehr gefahren. Die Kühe schauen auf, eine muht, die Zebras grasen weiter. Geschafft. Die Fahrt geht weiter.

 

Safari mit 4x4-Mietwagen im Hluhluwe-Imfolozi Game Reserve.
Grasende Zebras im Hluhluwe-Imfolozi Game Reserve.

Wieder tritt Rolf auf die Bremse. Dieses Mal jedoch sanft und weder Samu noch ich müssen uns auf der Rückbank festhalten. Ende Gelände oder besser gesagt: Anfang Gelände! Was sich bisher als größtenteils recht harmlose 4x4-Strecke herausgestellt hatte - abgesehen von ein paar großeren Steinen welche mit einem nicht "High-Clearence-Fahrzeug" nicht zu bewältigen gewesen wären - zeigt sich nun als wahres Abenteuer. Vor uns offenbart sich eine Art riesiges Flussbett mit Felsbrocken. Ja, Brocken! Das sind keine Steine mehr. 

 

"Wow, da bin ich mal gespannt", lache ich verlegen auf dem Rücksitz und ganz ehrlich: mir wird bange. Mein Herz schlägt schneller und ich frage mich ob das ein gute Idee war, an unserem letzten Tag, diese Strecke zu fahren. Mittlerweile sind wir bereits seit weit über einer Stunde unterwegs. Laut Plan haben wir nur etwas mehr als die Hälfte der 4x4-Route zurückgelegt, aber wenn das nun kilometerweit so weitergeht... Ich will gar nicht darüber nachdenken und bevor ich es auch kann setzt Rolf den Wagen wieder in Bewegung.

 

Langsam arbeitet er sich über die ersten Brocken. Zentimeter für Zentimeter. Wir kommen nur im Schneckentempo voran. Immer wieder bleibt uns das Herz stehen wenn der Wagen auf nur noch zwei Rädern balanciert und verzweifelt nach Halt sucht. Samu bleibt davon völlig unbeeindruckt. Er würde nämlich gerne schlafen. Jedes Mal wenn ihm die Augen zufallen kippt ihm jedoch sein Kopf weg und er wacht wieder auf. Das gefällt ihm verständlicherweise gar nicht. Aber was sollen wir jetzt und hier schon machen?

 

Der Kleine nörgelt hin und wieder. Wir hingegen finden so langsam sogar etwas Freude an dem Erlebnis. Zugegeben, fast schon wissend was er tut lässt Papa Rolf bald den Wagen auf zwei Rädern über die Steinbrocken tänzeln. Wir sind so auf das 4x4-Abenteuer fixiert, dass wir nach keinem Tier mehr Ausschau halten. 

 

Während es zuletzt allerdings immer bergauf ging, geht es plötzlich steil bergab. So richtig steil. Gefühlt war der Sani Pass da einen Scheiß dagegen. Denn wenn sich unser liebes Auto beachtlich schief gegen die Hanglage auf zwei Rädern zur Seite neigt... puh, da geht die Düse!

 

Und mein Problem ist mittlerweile nicht nur die Strecke, sondern auch das Kind. Er glaubt mal wieder Mama könnte den Kopf doch stützen, damit er ruhig schlafen kann. Ja logo! So versuche ich mit einer Hand den Kopf zu fixieren und mit der anderen mich selbst irgendwie abzustützen um nicht wild durch den Wagen zu schleudern.

 

Die 4x4-Strecke im Hluhluwe-Imfolouzi Game Reserve.
Ein wahres 4x4-Abenteuer wartet im Hluhluwe-Imfolozi Game Reserve.

Wir meistern die Szene - mit leichten Arm- und Rückenschmerzen. Als wir dann wieder den normalen Weg erreichen wird uns fast schon langweilig. Da könnte man ja richtig schön Gas geben (wenn wir nicht im Park wären). Nunja, und so tuckern wir, immer noch mit Adrenalin in den Adern, zurück Richtung Mpila Camp beziehungsweise Richtung Ausfahrt. Schließlich soll es heute noch nach Umdloti, 30 Kilometer nördlich von Durban, gehen. Und wir sind dank dieses ungeplanten Abenteuers nun etwas spät dran...

 

Die 4x4-Strecke im Imfolozi-Teil:

Die einzige, nur für 4x4-Fahrzeuge ausgeschriebene, Off-Road-Strecke befindet sich im nordwestlichen Bereich der Imfolozi-Teils. Sie liegt gut 20 Kilometer vom Mpila-Resort entfernt, im wahrsten Sinne des Wortes, im "hintersten Eck". Die Strecke für einige Kilometer nahezu direkt am Grenzzaun entlang.

 

Zu Beginn unterscheidet sie sich nicht von den anderen ungeteerten Straßen im Park. Ab und an, spätestens beim Anstieg, wird jedoch deutlich, dass ein High-Clearance-Fahrzeug von Nöten ist. 

 

Der von uns beschriebene Abschnitt befindet sich in der zweiten Hälfte der Strecke. Leider konnten wir bisher keine genauen Angaben (Länge, Dauer, Zustand) zur Strecke ausfindig machen. Lediglich folgendes Zitat von der Seite des Game Reserves: "For the 4x4 self drive enthusiast there is also a very nice 4x4 route in the Imfolozi section." Very nice - trifft es aber sowas von ;-)

 

ax-Allrad-Strecke im Hluhluwe-Imfolozi Game Reserve.
Die ausgeschriebene 4x4-Strecke im Game Reserve.

Unsere 4x4-Erfahrung:

Wir sind keine Allrad-Profis. Zwar haben wir schon mehrere hunderte Kilometer auf Dirt-Roads (unbefestigten Straßen) und ausgeschriebenen 4x4-Strecken in den USA und Südafrika zurückgelegt, aber als Experten würden wir uns auf dem Gebiet nicht bezeichnen. Denn meist haben sich die Strecken, egal ob im Death Valley, mitten in Utah oder zuletzt der Sani Pass in Südafrika, uns immer von einer ausgesprochen guten Seite präsentiert. Vor großen Komplikationen oder Herausforderungen standen wir eigentlich nie. Manchmal kostete es natürlich etwas Überwindung direkt neben einem steilen Abgrund im Schneckentempo den Wagen auf schmalen Pfaden über Steine zu balancieren oder tiefe, nicht einschätzbare Pfützen zu durchqueren. Hin und wieder hat die Karre auch schon mal aufgesetzt. Dennoch: geht nicht, gab es nicht. Bis wir im Hluhluwe-Imfolozi von einer auf die andere Sekunde vor dem scheinbar unlösbaren Hindernis standen - es aber auch meisterten.

 


Dies Blogbeitrag wurde Teil der kreativen Blitzparade "Mein Beitrag verdient mehr Aufmerksamkeit" von Charnette vom Blog Wir auf Reise.


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Kommentare: 4
  • #1

    Anja (Sonntag, 28 Januar 2018 08:47)

    Hui! Toller Bericht! Das klingt echt aufregend.. aber nachmachen würde ich es wohl eher nicht.. :D
    LG
    Anja

  • #2

    Kind im Gepäck (Sonntag, 28 Januar 2018 15:08)

    Danke dir!
    Wir wussten ja nicht auf was wir uns einlassen. Wir wollten unbedingt schauen wie die ist, aber nirgends Infos bekommen, dann sind wir eben los und fanden es auch erst einmal langweilig. Tja, bis dahin eben.
    Viele Grüße von uns!

  • #3

    Michelle (Montag, 19 Februar 2018 06:09)

    Das klingt nach einem wirklich adrenalingeladenen Abenteuer :D
    Ich glaube, mein Herz wäre stehen geblieben oder so. Ich bin eh ein schlechter Autofahrer und fahre auch so schon nicht. Die Strecke würde ich nur andere fahren lassen. Trotzdem mit viel Muffensausen als Beifahrer :D

    Viele Grüße aus Singapur! :)
    Michelle

  • #4

    Kind im Gepäck (Mittwoch, 21 Februar 2018 08:05)

    Ja, das war es ;-) Aber es hat auch viel Spaß gemacht und wir werden uns noch eine Weile daran erinnern!

    Danke dir und Grüße zurück!

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