Hluhluwe-Imfolozi und das Cengeni Gate

Falscher Weg, Büffel und Übelkeit

Mittwoch, 27. September

16:19 Uhr:

Unglaublich! Es ist der Oberhammer! Die coolste Dusche meines Lebens. Während mir das lauwarme Wasser den Rücken runterfließt stehe ich einfach nur da und staune mit einem breiten Lächeln im Gesicht. Es ist so ein Moment, wo du nicht weißt ob du wegrennen sollst um eine Kamera zu holen oder stehen bleibst und genießt. Zum Glück entscheide ich mich für Letzteres und genieße den Moment. Den Moment, als ich beim Duschen ein Nashorn beim Grasen beobachte. Keine 100 Meter von mir entfernt, auf der anderen Seite des ausgetrockneten Flusses, steht es und verschlingt gemütlich das Gras. Die Strapazen der vergangenen 24 Stunden sind vergessen…

 

Eines der vielen Nashörner im Hluhluwe-Imfolozi Game Reserve.
Eines der vielen Nashörner im Hluhluwe-Imfolozi Game Reserve.

Dienstag, 26. September

12:29 Uhr:

Wir kommen deutlich später von unserer Unterkunft los als geplant, doch das sollte nicht tragisch sein – denken wir. Von Eshowe zum Hluhluwe – Imfolozi Game Park sind es lediglich rund 140 Kilometer, gute 1,5 Stunden Fahrt. Es gibt nur einen Haken: wir haben weder über Google Maps noch sonst wo im Internet genauen Angaben was die Route betrifft gefunden und werden ein wenig im Blindflug unterwegs sein. Bis Ulundi, einer großen Stadt nahe des Parks, kein Problem, bis in den Park, in den wir über das Cengeni Gate im Süd-Westen des Parks hineinfahren wollen allerdings schon...

15:05 Uhr:

Trotz Dauerregens und teils sehr dichtem Nebels erreichen wir nach etwas über eines Stunde Fahrt Ulundi. Den Einkauf für die kommenden vier Tage hatten wir bereits in Eshowe erledigt. Nur noch etwa 30 Kilometer trennen uns vom Park. „Super, dann schaffen wir es locker vor Sonnenuntergang in unserem Camp zu sein“, freue ich mich. „Wer weiß…“, scherzt Papa.

 

Wir fahren und fahren und mein Gefühl sagt mir, dass wir schon längst hätten abzweigen müssen. Doch nirgendwo hatte es ein Straßen- oder Hinweisschild gegeben. Als wir fast durch Ulundi durch sind bitte ich Papa umzudrehen. Wir fahren wieder zurück. Da wir noch tanken müssen hoffen wir an der nächsten Tankstelle auf Hilfe. Papa fragt in die Runde, doch keiner kennt sich aus. Das hatte ich mir schon fast gedacht. Dann, als wir weiter wollen, hat ein Angestellter eine Ahnung: „Am Flughafen links und dann immer gerade aus der Straße folgen“.

15:35 Uhr:

Auf der richtigen Straße verlassen wir erleichtert Ulundi. „Jetzt sollte es doch klappen“, lacht Papa. Wir fahren und fahren, folgen immer der Hauptstraße bis ich nach einiger Zeit weiß, dass wir wieder eine Abzweigung verpasst haben müssen. Denn immer geradeaus konnte nicht stimmen! Folgen wir der Straße weiter, kommen wir wo anders raus, weiß ich. So langsam wird Samu zunehmend unruhig und jammert. Er hat keine Lust mehr, denken wir, und geben ihm ein paar Spielsachen zu Ablenkung. Wir ändern die Richtung und drehen mal wieder um.

Samu jammert immer mehr. Plötzlich schreit er sogar laut auf - das kennen wir so nicht von ihm und drehen uns erschrocken um. Er hat sich übergeben. Glücklicherweise ist auf der Straße nichts los. Wir halten am Straßenrand an. Putzen, ziehen Samu um, und verschaffen ihm etwas Luft. Aber wir müssen weiter. Es ist schon nach 16 Uhr.

16:05 Uhr:

Unweit der Stelle an der ich vermute, dass wir abbiegen müssen, entdecken wir wieder eine Tankstelle. Sie sieht geschlossen aus. Wir versuchen dennoch unser Glück. Tatsächlich ist sie außer Betrieb, aber zwei ältere Damen halten sich - wieso auch immer - im leeren Shop auf. Wir haken nach und eine davon erklärt uns, dass wir an der von mir vermuteten Abzweigung hätten abbiegen müssen. Nach rund 10 Kilometer gehe es dann wieder rechts ab, fügt sie hinzu. Samus Farbe kehrt nun übrigens wieder in sein Gesicht zurück und er lacht. Es geht weiter.

 

Die Straße zum Cengeni Gate.
Die Straße zum Cengeni Gate.

16:49 Uhr:

Wir erreichen das Cengeni Gate! Die Straße  wird wohl selten genutzt. Sie ist verwildert und die Natur holt sie sich augenscheinlich zurück. Nach der Registrierung können wir weiter. Es sind noch über 30 Kilometer zum Camp – auf einer holprigen Schotterstraße, auf der man maximal 40km/h fahren darf und auch nicht viel schneller fahren kann. Das zieht sich.

Tiere versuchen wir erst gar nicht zu suchen. Der Weg ist trotz 4x4 mühsam genug. Wir möchten einfach nur ankommen, als plötzlich direkt vor uns, Tiere mitten auf der Fahrbahn stehen: eine Büffelherde bremst uns aus. Und die Tierchen haben kein Interesse die Fahrbahn freizugeben. Gut zehn Minuten stehen wir. Fahren vorsichtig vorwärts und wieder zurück – nichts. Erst als ein Fahrzeug aus der anderen Richtung kommt geben die Büffel irgendwann entnervt die Fahrbahn frei.

 


17:25 Uhr:

Papa checkt endlich im Mpila Camp (dem Hauptcamp) ein. Es dauert. Unser Camp – Nselweni – ist nun nochmals weitere zehn Kilometer entfernt. Die letzten 4,5 Kilometer sind sehr holprig. Immerhin bleiben alle Büffel dieses Mal glücklicherweise neben der Fahrbahn stehen.

 

17:55 Uhr:

Wir sind in unserer Unterkunft – zumindest fast. Papa hat Nummer 9 gesagt bekommen, doch die finden wir nicht! Es wird langsam dunkel. Papa meint, wir nehmen einfach die 8. Doch damit gebe ich mich nicht zufrieden. Hatte ich doch mit Flussblick gebucht und die 8 liegt mitten im Gebüsch. Ich laufe umher und entdecke die 5 mit Aussicht. „Dann nehmen wir die Fünf“, schlage ich vor. (Beide Lodges sind übrigens unbewohnt.) Das sieht Papa nun anders und macht sich noch einmal auf die Suche.

Nach einigen Minuten kommt er erleichtert zurück: Ich hab die Neun!“ Es wird immer dunkler. Zwischen der 5 und 6, gut versteckt, geht ein kleiner Weg zur 9. Die liegt wunderbar abseits der anderen Lodges - mit tollem (ausgetrocknetem) Flußblick.

 

Wir sind da - nach 6 Stunden Irrfahrt! Und kaum in der Lodge wird es schlagartig stockdunkel. In der Ferne brüllt ein Elefant. Samu chillt lachend auf der Terrasse. Es ist 18:27 Uhr.


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Kommentare: 2
  • #1

    Michaela (Donnerstag, 21 Dezember 2017 18:56)

    Da sieht man es mal wieder: Entfernungen sind relativ! Das haben wir in Südafrika auch immer mal wieder erlebt. Umso schöner, wenn man dann endlich ankommt. Und noch schöner, wenn man bei so großartigen Erlebnissen alle Strapazen vergessen kann.
    Ein schöner Bericht!
    LG aus dem verregneten Hamburg (Ach, wäre ich doch in Südafrika...)
    Michaela

  • #2

    Kind im Gepäck (Mittwoch, 27 Dezember 2017 10:57)

    Da hast Du recht! Auch nach mehrmals in Südafrika unterwegs sein, unterschätzt man manchmal die Entfernungen, aber man wird immer belohnt. Das ist wirklich das Tolle daran!
    P.S.: Wir hätten jetzt auch nichts gegen Südafrika ;-)
    Viele Grüße!

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