St. Gallen - durch die Stadt der 111 Erker

Von Gallus und Weltkultur

Die Ostschweiz hat es uns schon lange angetan. Das wunderschöne Bodenseeufer mit den kleinen, netten Städtchen, das idyllische Rheintal, die herrlichen Wander- und Radwege über Felder und durch Wälder, die Reb- und Obsthänge und noch so vieles mehr. So war für uns sofort klar, dass wir sehr gerne - in Kooperation mit dem St.Gallen-Bodensee-Tourismus - in das Kanton Sankt Gallen reisen. Und natürlich ist die Stadt St. Gallen, als UNESCO-Weltkulturerbestadt mit der weltberühmten Stiftsbibliothek, ein Highlight der Schweiz.

 

Bilder: copyright: St. Gallen-Bodensee Tourismus


Legende und Wahrheit....

Die Legende besagt, dass der irische Mönch Gallus im Jahr 612 bei seiner Reise im Steinachtal über eine Wurzel stolperte. Da er vermutete bald zu sterben entschloss er sich dort zu bleiben und baute sich ein Hütte. Bald gesellten sich Anhänger zu ihm und sie bauten eine Kirche. So entstand das heutige St.Gallen. Soweit die Legende.

 

Fakt ist, der Mönch Gallus ist in der Stadt bis heute allgegenwärtig. Im Jahr 719 wurde die Gallussiedlung von Otmar neu belebt. Es entstand das Kloster St.Gallen, welches mit seiner imposanten, doppeltürmigen Kathedrale zu einem bedeutenden geistigen Zentrum Europas wurde. Um die Kathedrale herum wuchs langsam aber stetig die Stadt St. Gallen.

 

Ein Stadtrundgang:

Vor der Kathedrale, an der nördlichen Spitze des Gallusplatzes treffen wir unsere Stadtführerin für einen Rundgang durch die Stadt. Um die Stadt und seine Sehenswürdigkeiten in vollen Zügen zu erkunden braucht es zwar sicherlich mehr als nur einen Rundgang, aber mit dieser Runde haben wir auf alle Fälle einen ersten umfassenden Eindruck der UNESCO-Weltkulturerbestadt erhalten. Wir hatten das Glück diesen mit einer Touristenführerin absolvieren zu können.

 

Wir haben uns ganz grob genommen hauptsächlich in dem auf der Karte dunkel markiertem Gebiet bewegt. Die Highlights und Sehenswürdigkeiten der Stadt St. Gallen sind hier ebenfalls festgehalten.

 

Eine Stadtführung kann natürlich jeder im Tourismus Büro in der Innenstadt individuell buchen oder an einer öffentlichen Führung teilnehmen.

 


Das Klosterareal mit Stiftsbibliothek:

Für uns geht es gleich zu Beginn der Führung in des Klosterareal und die Stiftsbibliothek. Zum Glück, denn die Hitze ist draußen kaum zu ertragen. Hinauf geht es für uns also in den ersten Stock, da wird genaustens darauf geachtet, dass man nichts in die Bibliothek mit hinein nimmt - auch Fotoapparate sind nicht erlaubt. Nur eines müssen wir zwingend mitnehmen: Hausschuhe. Hausschuhe? Ja, ohne die feschen Überziehschuhe die vor dem Eingang in Reih und Glied auf ihren Einsatz warten, kommt niemand in die Stiftsbibliothek hinein. Selbst unserem Zwerg versucht man die Dinger an die Füßlein zu machen. Das klappt nicht so ganz und letztendlich erhält er das Go - ohne Schuhe.

 

Bild: copyright: St. Gallen-Bodensee Tourismus

Damit ist er eine riesen Ausnahme unter den tausenden von Besuchern die hier jährlich in Pantoffeln über den holzgetäferten Boden schlürfen. Jedes Geräusch lässt einen hier drinnen ehrfürchtig den Atem anhalten. Die ehemalige Schreibstube der Benediktiner Mönche ist wohl der atemberaubendste Rokokosaal der Schweiz.  Rund 170 000 gedruckte Bücher stehen in diesem Saal und - in wechselnden Ausstellungen - können auch einzigartige Exemplare der 2000 mittelalterlichen Originalhandschriften bewundert werden.

 

Touristenmagnet der Stiftsbibliothekt ist mittlerweile jedoch die Mumie der Schepenese. Die Priestertochter lebte zwischen 700 und 650 v.Chr. in Theben und gehörte zur Elite der Stadt. Ihre Mumie mit dem reich bemalten Innen- und Aussensarg gelangte 1821 nach St.Gallen. 

 


Wenn man danach die Kathedrale, die Stiftskirche, betritt, ist es da drinnen fast schon unglaublich laut und wusselig. Dennoch zieht einen das beeindruckende Gebäude sofort in seinen Bann. In ihrer heutigen Form wurde die Kirche von 1756 bis 1760 erbaut und gilt als eine der letzten monumentalen Sakralbauten des Spätbarocks. Allerdings geht ihre Geschichte schon bis in das Jahr 719 zurück, als der heilige Otmar hier am Gallusgrab ein Kloster mit einer Steinkirche errichten lies.

 

Sehr interessant ist, dass sich die Rotunde - die Kuppel in der Mitte der Kirche - mit ihrer Bemalung komplett im Taufbecken spiegelt (siehe letztes Bild). 1983 wurde die Stiftskirche zusammen mit dem gesamten Stiftsbezirk als UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen.

 

Die 111 Erker:

Nach so viel "schwerem Werk" ziehen wir durch die Innenstadt. Die Marktgasse hinunter, über die Spisergasse, dann die Multergasse hinauf, durch Schmiedgasse hindurch und zum Grüningerplatz. Und eines fällt uns beim Spaziergang durch die verwinkelten Altstadt-Gassen sehr schnell auf: die vielen tollen verzierten Erker.

 

Ganz genau 111 Erker - wobei keiner dem anderen gleicht - sind es, die die Fassaden der Häuser schmücken. Bei den einen sind es Holz- bei den anderen Steinanbauten. Allesamt wurden sie damals vor den Wohnräumen der Kaufmanssleute angebracht. Also im ersten oder etwas seltener im zweiten Stock der Häuser. Aber warum?

 

Damit wollten die Kaufmannsleute auf ihre Bildung und natürlich auch ihren Reichtum aufmerksam machen. So reichen die dargestellten Szenen und Motive lokalen Ereignissen bis hin zu exotischen Darstellungen.


 

In der Spisergasse findet sich beipsielsweise der zweigeschossige "Kamel-"Erker, auf dessen Brüstung Darstellungen von Früchten aus fernen Ländern abgebildet sind. Außerdem sind hier auch der "Sternen"- und "Bären"-Erker zu finden. Und in der benachbarten Schmiedgasse ist, neben dem "Schwanen"- und "Kugel"-Erker mit prunkvollem Erdball, auch der "Pelikan"-Erker vertreten. Auf letzterem sind die damals bekannten Erteile, Europa, Afrika, Amerika und Asien dargestellt.

St. Gallen ist spitze:

Nach fast 2,5 Stunden und leichter Genickstarre vom Erker schauen, stehen wir wieder vor der Kathedrale und sind fast schon erschlagen von all den Eindrücken Informationen. Unser Zwerg hat jetzt soweiso nur noch einen Wunsch: ein Eis und wir müssen jetzt einmal sagen: St. Gallen ist spitze. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Stoffe aus der Ostschweiz stehen in einer langen Tradition, die bis in das frühe Mittelalter zurückreicht - um noch einen kurzen Schweif zu erlauben. Über Jahrhunderte war das Leben der St.Galler von der Leinwandherstellung, der Verarbeitung von Baumwolle und dem Besticken gefertigter Stoffe geprägt. Bis heute ist eben dieser Einfluss der Textilwirtschaft spürbar. Übrigens, selbst Prominente wie Madonna und Charlène von Monaco tragen Kleider aus St.Gallen. 

 

Doch mit diesem Punkt der städtischen Geschichte beschäftigen wir uns heute nicht mehr. Wer möchte erhält im Textilmuseum einen ausführlichen Einblick in die Geschichte. Zudem gibt es Themenwege, die an textilen Häusern, aber auch am Historischen und Völkerkundemuseum sowie am Textilmuseum vorbei- und durch die Jahrhunderte der St.Galler Textilgeschichte führt. Diese können mittels einer Textilweg App erlebt werden.



Unser kleiner Mann hat sich nun endlich sein Eis verdient und deshalb geniesen wir im Schatten der Kathedrale noch eine süße, kalte Kugel.


Pressereise/Offenlegung: Wir sind vom St. Gallen-Bodensee-Tourismus zu dieser Reise eingeladen worden. Die Stadtführung wurde vom Tourismusverband übernommen. Dies hat unsere Darstellung nicht beeinflusst. Alle weiteren Kosten (Eisessen, Parken...) wurden selbst getragen.


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Kommentare: 13
  • #1

    Tina (Sonntag, 17 Februar 2019 23:11)

    Das hört sich nach einer wundervollen Stadt an, die sofort auf meine Bucketliste muss! Die Bilder sind fantastisch und sorgen sofort für Fernweh bei mir �

  • #2

    Kind im Gepäck (Montag, 18 Februar 2019 09:59)

    Ja, dann - hoffentlich kannst Du bald St. Gallen genießen ;-) Freut uns wenn die Bilder zusagen!
    Viel Spaß schon einmal :-D

  • #3

    Marco (Montag, 18 Februar 2019 18:25)

    Interessant die Hauptstadt meines Wohnkantons mal aus anderen Augen zu sehen. Schön geschriebener Beitrag.

  • #4

    Kind im Gepäck (Montag, 18 Februar 2019 21:59)

    Das ist ja cool! Danke für den Kommentar eines Insiders ;-)

  • #5

    Josefine (Dienstag, 19 Februar 2019 12:49)

    Da scheint sich ein Besuch zu lohnen! Der Bodensee steht schon auf meiner Liste und nun wird auch St. Gallen dazugeschrieben☺️

  • #6

    Selda (Mittwoch, 20 Februar 2019 07:14)

    Liebe Mel,
    wow was für eine interessante Stadt! Die Stiftsbibliothek wäre genau was für mich. Ich glaube, ich hätte mich den ganzen Tag dort aufgehalten. Euer Junior geht noch in die Geschichte ein, dass er in so einem Ort als einziger mit Schuhen rumlaufen konnte.

    Liebe Grüße, Selda

  • #7

    machmaleineauszeit (Mittwoch, 20 Februar 2019)

    Wow was für ein schöner toller Bericht aus St. Gallen. Wir werden euch weiterhin verfolgen und freuen uns auf viele neue Berichte von euch. Liebe Grüße von Lisa ☺️ von https://www.machmaleineauszeit.de �♀️�� https://www.instagram.com/lisa_visit_the_world/

  • #8

    Kind im Gepäck (Mittwoch, 20 Februar 2019 10:19)

    Danke für alle Kommentare!!!

    Selda, schauen wir mal - ich denke die sind eher froh, dass alles heil geblieben ist ;-) Aber ist ein echt beeindruckender Ort und super imposant.

    Josefine, na vom See seid ihr auch gaaanz schnell in St.Gallen. Ein Katzensprung der sich lohnt.

    Lisa, da freuen wir uns drauf!

  • #9

    Entdeckerstorys (Donnerstag, 21 Februar 2019 02:43)

    Traumhaft! Da lag ich ja mit meinem ersten Eindruck bei Instagram schon direkt richtig! Durch die Stadt flanieren, Flair und Geschichte genießen - und anschließend gemütlich einkehren! :-))) Danke für den Tipp! Liebe Grüße von den Entdeckerstorys!

  • #10

    Matthias & Andrea (Donnerstag, 21 Februar 2019 09:54)

    St. Gallen steht auch noch ganz oben auf unserer Zielliste. Auf jeden Fall bekommt man ungeheure Lust, gleich loszuziehen in den grauen Tagen des Winters. Schließlich sind es vom "Ländle" (Meckenbeuren) dorthin nur etwa 1 Stunde zu fahren..... Schöne Fotos und ein interessanter Text.. Vielen Dank dafür und weiter so! Liebe Grüße von Matthias und Andrea vom SpicysBlog (https://www.spicy.art.works)

  • #11

    Kind im Gepäck (Donnerstag, 21 Februar 2019 11:30)

    Hallo Katthias & Andrea, dann mal ab nach St. Gallen ;-)! Mit einer Stunde Fahrzeit hättet ihr es wirklich nicht weit, das solltet ihr mal ausnutzen und euch auf den Weg machen. Besten Dank für das Lob und viele Grüße zurück!

  • #12

    Sandra (Mittwoch, 15 Mai 2019 09:54)

    Liebe Melanie,

    ich freue mich immer sehr, wenn ich was über St. Gallen lese. Ich bin am Bodensee aufgewachsen und ein Ausflug nach St. Gallen war regelmäßig auf dem Programm bei meiner Familie. Warum, das schreibst du ja selbst so schön – eine wunderschöne Altstadt, der Säntis um die Ecke, Kunst, Kultur, leckere Schoggi...während ich diese Zeilen schreibe, merke ich schon: ich muss da unbedingt mal wieder hin!
    Liebe Grüße aus (mittlerweile seit 20 Jahren) Berlin,
    Sandra von https://tracksandthecity.de/

  • #13

    Kind im Gepäck (Donnerstag, 16 Mai 2019 10:09)

    Liebe Sandra,
    vielen Dank für Deinen Kommentar. Und ich hoffe Du kommst bald mal wieder dazu St. Gallen und die Region zu besuchen. Es ist wirklich herrlich da.
    Hach, wir könnten auch schon wieder los!
    Beste Grüße

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