Amsterdam - zwischen Fotomotiven und Müllbergen

Die Schattenseiten der Hauptstadt

Hauptstädte sind groß, laut und schmutzig, aber "oh, wie schön ist Amsterdam"!?

Wirklich schön und malerisch präsentierte sich uns die einwohnerstärkste Stadt der Niederlande leider auch nicht.

Trotz des tollen Grachtengürtels und Fotomotiven an jeder Ecke werfen wir deshalb einen etwas kritischeren Blick auf die Hafenstadt.

 

Schön oder schrecklich?

Malerische Grachten, romantische Plätze, schmucke Brücken, blühende Tulpen und schöne Gassen - so haben wir uns Amsterdam vorgestellt. Genau so stellt sich wohl ein jeder Tourist die niederländische Hauptstadt vor. Doch wir wurden enttäuscht. Denn während unserer vier Tage präsentierte sich Amsterdam definitiv nicht nur von seiner schönen Seite. Bereits nach wenigen Metern die wir im Zentrum der etwas mehr als 830.000 Einwohner - Stadt unterwegs waren hatte sich bei uns nämlich ein ganz anderes vorherrschendes Bild eingeprägt: eine Stadt mit Müllproblem. Abfall auf der Straße, überfüllte Mülleimer an jeder Ecke, Abfallberge vor den Wohnhäusern und natürlich auch Müll in den Grachten dominierten das Stadtbild.

Die - schönen - Grachten

Lässt man den Blick nur so über die Grachten schweifen, so sind sie wirklich wunderschön. Doch wer etwas genauer in die Kanäle schaut dem könnte übel werden. Betrachtet das Bild rechts mal ein klein wenig genauer und schon fallen euch sicherlich einige Dinge auf. Zugegeben es ist schwer etwas auf dem kleinen Bild ohne Zoom etwas genau zu erkennen. Daher habe ich die diversen Gegenstände, sprich den Abfall (einen Teil davon) markiert. Alle roten Kreise kennzeichnen Müll: Cola- oder Bierdosen, Tüten und sonstige Verpackungsreste.

 

Kleinlich? Finden wir nicht. Stellenweise trieben ganze Müllberge über das Wasser. Vorzugsweise sammelte sich der Dreck unter den Brücken.


Wie es mit dem von Partybesuchern abgelassenem meist flüssigen Müll, sprich Urin oder auch anderen Fäkalien aussieht, wollen wir gar nicht genau wissen. Amsterdam kennt jedenfalls schon länger das Problem und hat zahlreiche öffentliche Pissoirs aufgestellt. Trotzdem pinkeln in Partynächten noch zahlreiche betrunkene oder bekiffte Touristen in die Grachten und damit in ein Weltkulturerbe. Denn seit 2010 gehört der Grachtengürtel übrigens zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Nette "side-facts":

Ein weiteres Müllproblem befindet sich zudem unter der Wasseroberfläche von Amsterdams Grachten. Wir hätten es ja nicht anders erwartet: in der Fahrradstadt landen ausgemusterte Fahrräder, ok und auch jede Menge Fahrräder von Betrunkenen, tag täglich im Wasser. So werden jährlich tausende von Fahrrädern aus den rund drei Meter tiefen weltberühmten Kanälen gezogen.

 

Übrigens landet im Durchschnitt auch täglich ein Auto im Kanal. Meist geht es für die Autobesitzer dabei glimpflich aus. Einer der bekanntesten "Autostürze" aus jüngster Vergangenheit ereignete sich 2016, als ein Frau mit Kind beim einparken in eine Gracht fuhr (hier ein Zeitungsartikel zu dem Vorfall).

 

Eine Zeit lang war sogar "Smartschmeißen" in. Die Partygänger machten sich einen Spaß daraus nachts an den Grachten geparkte kleine Autos in die Kanäle zu schubsen. Genaue Zahlen, wie viele Vierräder versenkt wurden, gibt es nicht. (Einen Bericht dazu gibt es hier.)


Und wie es danach aussieht...

Doch nicht nur im Zentrum schien es ein Müllproblem zu geben. Wir besuchten den berühmten Albert Cuyp Markt - den größten Tagesmarkt Amsterdams. Ausführlicheres zum Markt werden wir an anderer Stelle schreiben. Jedenfalls suchten wir nach dem Besuch ein in der Nähe liegendes Restaurant zum Abendessen aus. Als wir fast drei Stunden nach Marktende abermals an der Markt-Straße vorbeikamen bot sich uns ein, sagen wir, fast schon grauenhaftes Bild.

 

Dreck, Abfall, Essensreste und riesige Müllberge - so weit das Auge reichte. Und nicht nur das. Wir sahen auch viele Menschen die nach verwertbaren Essensresten auf der Straße suchten. Andere durchforsteten die großen Abfallberge nach brauchbaren Sachen, kramten Schubladen, Kartons, Eimer oder sonstiges hervor. Eine Szenerie die vielen Touristen sicherlich verborgen bleibt und uns erneut erschreckte. Wir kennen etliche - große - Märkte aus bspw. Italien, aber solch ein Bild bot sich uns Stunden nach dem Marktende noch nie...

 

Ebenso seltsam wie grotesk - die etlichen Graureiher die ebenfalls auf den Müllbergen herum spazierten und gezielt nach Essbarem suchten. Da die Tiere kaum scheu vor den vorbeilaufenden Fußgängern zeigten und bestimmte Plätze der Tiere extrem vollgekotet waren, zeugt dies davon das die Reiher sich hier wohl regelmäßig (täglich wie der Markt?) aufhalten. 


Dreck, Müll, Abfallberge,...

Und so hätten wir auch nach über 48 Stunden in der Stadt, Amsterdam mit nur einem einzigen Adjektiv beschrieben: dreckig. Doch voreilig wollen wir immer noch nicht sein. Schließlich war Wochenende - für viele Touristen ein langes Wochenende, für die Einheimischen hatte zwei Tage zuvor, am Donnerstag, der Königstag stattgefunden. Ein niederländischer Festtag bei dem Millionen von Besuchern nach Amsterdam strömen um den Geburtstag von König Willem-Alexander zu feiern. Vielleicht der Grund für das massive Müllaufkommen?

 

Sicherlich war es EIN Grund. Amsterdam ist Party-Hochburg. Feierwütige, Junggesell(inn)en-Abschiede, alle kommen in die Stadt, verbunden mit einem einheimischen Festakt ergibt sich daraus ein noch immenseres Müllaufkommen. Allerdings sollte eine große Amsterdam darauf doch vorbereitet sein... Oder meint Ihr etwa nicht?

 

Die Hoffnung stirbt zuletzt:

Am letzten Abend sahen wir dann tatsächlich noch ein Müllauto durch die Straßen fahren. Es besteht also Hoffnung. Der Eindruck einer Stadt mit Müllproblem bleibt jedoch bestehen.


Doch noch etwas Schönes:

Aber natürlich haben wir sie auch gefunden: die schönen Fotomotive. Strahlende Grachten, nette Häuserreihen, schöne Gassen und nochmals sowas von fotogene und farbenfrohe Grachten.

Für uns ergibt sich nach den Tagen dennoch das eindeutige Fazit:

Oh du schmutzig-schönes Amsterdam!

Wie war Euer Eindruck von Amsterdam?  Habt Ihr die Hauptstadt sauber erlebt oder türmten sich ebenfalls die Müllberge?

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Mary (Sonntag, 07 Mai 2017 12:05)

    Hallo

    Wir sind vor 7 Jahren In Amsterdam gewesen. Damals scheint es dieses Müllproblem noch nicht gegeben zu haben. Wie haben Amsterdam als schöne, saubere Stadt erlebt.
    Ich selber wohne in Köln ganz nah am Rhein ...hier sieht es nach dem Wochenende ähnlich aus.Die Überrreste von Silvester lagen Wochenlang auf Weg und Wieden weil die Abfallwirtschaft nichts weggeräumt hatte.



    Liebe Grüße

  • #2

    Kind im Gepäck (Sonntag, 07 Mai 2017 21:04)

    Hallo Mary,

    vielen Dank für deine Meinung. Natürlich kann das immer und überall vorkommen. Daher vermuten wir ja auch, dass es eher die Ausnahme als die Regel ist. Allerdings war es dennoch nicht schön und machte keinen guten Eindruck. Uns blieb das prägend in Erinnerung. Es ist echt schade wenn da ewig nichts gemacht wird.

    Viele Grüße von uns 3

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